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Der
Name | Wurzeln in Hessen
| Patrizier | Pfälzer
Zweig | Amerika | Weltweit
Patrizier
Schon im Spätmittelalter
treten in Frankfurt, Marburg und Rothenburg patrizische Familien
Hartrad ins Licht der Geschichte. Ein Zusammenhang dieser
Geschlechter mit unserer aus Friedberg stammenden Wetterauer Familie
ist bislang nicht belegt, aber durchaus denkbar. Besonders zwischen Frankfurt,
Friedberg und Marburg bestanden im Mittelalter enge politische und
wirtschaftliche Verbindungen: so gehörten Friedberg und Frankfurt
seit 1285 gemeinsam dem Wetterauer Städtebund an, ihre Messen waren
terminlich aufeinander abgestimmt. Frankfurt strahlte dank seiner
Messe ohnehin auf den gesamten hessischen und rhein-mainischen Raum
aus, sodaß sich zwischen den Bürgern der dortigen Städte häufig
auch familiäre Kontakte ergaben. Viele Geschlechter aus dem
Frankfurter Handelsbürgertum hatten Niederlassungen und
Familienzweige an mehreren Orten, trieben Geschäfte mit dortigen
Angehörigen oder stammten selbst aus der Wetterauer Umgebung.
Die Frankfurter
Hartrad, die ursprünglich aus dem etwas weiter südlich gelegenen
Dieburg stammen, könnten auch als Dienstmannen der 1255
ausgestorbenen Reichsministerialen von Münzenberg oder ihre Erben,
der Herren von Falkenstein aus dem Hause Bolanden und der Herren von
Hanau, in die Wetterau gelangt sein: die Münzenberg nämlich
besaßen neben ihrer namensgebenden wetterauischen Herrschaft, die
sie in der Mitte des 12. Jahrhunderts erworben hatten, auch Güter
um ihren Stammsitz, die Burg Hagen (Hayn) im Wildbann Dreieich,
darunter Babenhausen und Münster nahe Dieburg sowie seit 1229 bzw.
1239 auch Dieburg selbst; über die Dreieich waren sie seit dem Ende
des 11. Jahrhunderts als Reichsvögte eingesetzt. Die Hanauer, die
1255 ein Sechstel des Münzenberger Erbes erhielten – unter
anderem Anteile an Münzenberg, 1304 auch an Münster –, hatten
zuvor schon durch Heirat das Amt Babenhausen erworben; in der
Wetterau übten sie 1275-1279, 1300-1305/6 und wieder seit 1349 das
Landvogteirecht aus, und 1275-1279 amtierte Reinhard I. von Hanau
als Burggraf von Friedberg. Die Bolanden wiederum waren seit der
Mitte des 12. Jahrhunderts, also noch vor den Münzenberg, Herren in
Dieburg gewesen, seit 1215 in der Linie Bolanden-Falkenstein;
andererseits waren sie 1255 zu 5/6 Nachfolger der Münzenberg
dortselbst sowie in Münster, dazu später ebenfalls Landvögte in
der Wetterau und Vögte in der Dreieich.

Die
Hartrad von Dieburg
Zunächst finden
wir unseren Namen am südlichen Rand des alten Königsforstes
Dreieich, in Dieburg, am Eingang zum Odenwald, mit einer
Ratsherrenfamilie, die sich nach wenigen Generationen ins
nahegelegene Frankfurt verzweigte und dort ins städtische Patriziat
aufstieg. Bereits 1254 treten in Dieburg ein Schöffe
Hartrat und ein Heinrich
Hartradi (wohl sein Sohn) als Zeugen auf, als Ulrich von Münzenberg seinem Vogt
Rudolf Beckenhube die Mühle Kistelberg bei Münster verleiht. Im
Jahr 1295 bezeugt der schon 1293 erstmals genannte Dieburger
Schöffe Friedrich Hartrad („Fridericus Hartradi“), vielleicht ein Sohn
Heinrichs, zusammen mit den übrigen Schöffen der Stadt, daß der
Pfarrer Johannes von Roßdorf seinen Anteil an der nämlichen Mühle
den Deutschherren in Frankfurt-Sachsenhausen veräußert habe.
Vorausgegangen
waren diesem Rechtsgeschäft langjährige Auseinandersetzungen
zwischen den Dieburger Familien Groschlag und Aumann einerseits und
einem gewissen Friedrich Ocalp andererseits, die einander
widerstreitende Ansprüche auf Anteile an dem Mühlenlehen erhoben;
dem Deutschordenshaus gelang es schließlich, Ocalps Anteil zu
erwerben und die Groschlag und Aumann zum Verzicht auf ihre
Ansprüche zu bewegen. Weitere Anteile wurden nach und nach dem
Frankfurter Bartholomäusstift und den Dieburger Minoriten
abgekauft. Mit dem Roßdorfer Anteil war die Mühle schließlich
ganz in der Hand des Deutschen Ordens und wurde im darauffolgenden
Jahr, 1296, dem Friedrich Hartrad und seiner Frau Lukard („Friderico
dicto Hartdrat et uxori sue Lucen“) in Erbpacht gegeben. Als Zins
lieferten die Eheleute jährlich 40 Malter Winterweizen (Roggen), 20
Malter Sommerweizen, einen halben Malter Mehl, vier Lämmer und 13
Pfund Heller, zahlbar je zur Hälfte am Michaels- und am
Walpurgistag. Dieser verhältnismäßig hohe Pachtzins bezog sich
allerdings nicht auf die Mühle allein, sondern auch auf andere
Güter der Deutschherren in Dieburg, welche Friedrich und Lukard
Hartrad aus ihrem eigenen Besitz noch weiter vermehrten: Schon 1296
vermachten sie dem Orden zur Pietanz eine halbe Hufe Landes, von der die Sachsenhausener Kommende 7½ Morgen beim Tod des
einen, weitere 7½ Morgen beim Tod des anderen Ehegatten erhalten
sollte; 1314 verkauften beide dem Orden eine Erbrente von 6 Pfund
Heller jährlich auf ihren Dieburger Liegenschaften; 1316
schließlich veräußern sie um einen Preis von 35 Pfund Heller
ihren eigenen Hofplatz samt Gebäuden neben der Mühle Kistelberg,
dazu die Besserung der Mühle und ihres Zubehörs, was darauf
schließen läßt, daß Friedrich und Lukard in der Zwischenzeit
wertsteigernde Bau- und Instandsetzungsarbeiten an dem gepachteten
Anwesen hatten durchführen lassen.
In der Urkunde
von 1316 finden wir auch einen Sohn Rutzo (= Rudolf), der 1334 als Rulmann Hartrad testierte und in letzterem Jahr ebenfalls das
Schöffenamt in Dieburg bekleidete. 1325 wurde der Mühle die noch
von den Münzenberg an die Vorbesitzer verliehene Schatzungsfreiheit
bestätigt. Nach Beständnisbriefen aus dem Jahr 1326 sowie dem
Frühjahr 1329 hatte zu diesem Zeitpunkt ein weiterer „son
etswenne Frideriches genant Hartrad“ (1329), Heilmann
(Heinrich) Hartrad, mit seiner Frau Gerhus auf dem Steinweg die
Mühle Kistelberg in Erbpacht übernommen, wofür sie dem Deutschen
Orden jährlich 45 Malter Korn, ein Fasnachtshuhn und fünf Pfund
Heller Zins entrichteten. Es ist wohl zutreffend, die Besitzung
Kistelberg mit dem sog. Mühlgut des Deutschen Ordens in Dieburg zu
identifizieren, für das ebendiese Abgaben zu zahlen waren. Es
umfaßte (zu einem mir nicht bekannten Datum) 89 Morgen Ackerland,
13 Mannsmahd Wiesen sowie einen „Hof im Monefeld, genannt der
Hubhof mit mehreren Gärten vor der Stadt, die der Erbpächter
bewohnte“ (Mönfeld war wie Holzhausen/Steinweg und Altenstadt
einer der alten Vororte Dieburgs). 1329 wird der Umfang der zur
Mühle gehörenden landwirtschaftlichen Güter, der sich ausweislich
der fälligen Abgaben offenbar seit 1296 etwas verringert hatte, mit
71 Morgen Ackerland und 15 Mannsmahd Wiesen angegeben, „mit der
schirnen gelegen in der stad“. Als Sicherheit setzte Heilmann eine
ihm schon gehörende, „Kymen gud“ genannte Viertelhube in
Dieburg mit 17½ Morgen Äckern und 1½ Mannsmahd Wiesen; darüber
hinaus bürgten für ihn mit eigenen Besitzungen sein Schwager
Heilmann „of dem Steynwege“ (ein Mitschöffe Rulmanns 1334)
sowie Culmann
(Konrad) Hartrad, wohl ein weiterer Bruder, und zwar Heilmann
mit einer Dreiviertelhube zu 39½ Morgen Feldern und 5½ Mannsmahd
Wiesen, Culmann mit einer Viertelhube zu 13 Morgen Feldern und zwei
Mannsmahd Wiesen. Nachdem die Mühle den Eltern Friedrich und Lukard
auf beider Lebenszeit vergeben war, wird nicht nur Friedrich,
sondern auch seine Frau 1326 bzw. 1329 bereits verstorben gewesen
sein. Dafür spricht außerdem, daß Culmann Hartrad für 1325 als
Dieburger Schöffe bezeugt ist; sofern nicht Vater und Sohn
gemeinsam auf der Schöffenbank saßen, sondern das Amt (wie damals
allgemein üblich) innerhalb der Familie weitergegeben wurde, wäre
das Todesjahr Friedrichs somit schon 1325 oder früher anzusetzen.
In den Umkreis
der Dieburger Hartrad ist ferner vielleicht der seit 1327 bezeugte
kurmainzische Keller Hartrad
von Dieburg zu zählen, der 1344 über den Bau eines Turmes an
der erzbischöflichen Burg abrechnet. Dieburg gehörte seit Anfang
des 14. Jahrhunderts vollständig zum Mainzer Hochstift, das hier
schon im 13. Jahrhundert Rechte erworben hatte. Im Unterschied zum
Vogt, der meist dem Niederadel angehörte, stammte der Keller, der
für den Ortsherren die Finanzverwaltung zu besorgen hatte, oft aus
dem Bürgertum des jeweiligen Amtsortes. In diesem Fall ist aber
nicht sicher zu sagen, ob ‚Hartrad‘ als Vor- oder Zuname
gebraucht wird.

Die Linie der
Hartrad zum Laderam in Frankfurt
Culmann
Hartrad
von Dieburg begegnen wir in den 1330er- und 1340er-Jahren gemeinsam
mit seiner Frau Hilde oder Hille Hartrad (= „Hille Kolman“, „Hille
Culmann“, „Frawe Hille von Dyp[ur]g“ ) wiederholt als Käufer
verschiedener Gülten in der Dieburger Gegend: 1335 gab Ritter
Hermann Aumann dem „Culman Hartdrade“ und „Hillen sin elichen
frauwen“ auf acht Jahre 25 Malter Korn- und zehn Malter
Weizengülte zu Reinheim (südlich von Dieburg an der Bergstraße),
die er von Graf Wilhelm von Katzenellenbogen innehatte; 1340
erhielten die beiden eine Pfenniggülte von 7 Pfund Heller zu
Sickenhofen und eine von 1 Pfund Heller zu Hergershausen (heute zwei
Ortsteile von Babenhausen) von Oswald, Johann und Hermann Groschlag,
die Sickenhofen und Hergershausen als hanauische Lehen besaßen,
schließlich 1345 eine Gülte zu „Ziegelhard“ (= Zeilhard, heute
zu Reinheim) vom Ritter Hartmann von Zwingenberg.
Der
Lebensmittelpunkt der Familie scheint sich in jenen Jahren aber von
Dieburg nach Frankfurt verlagert zu haben. Schon 1317 wird dort der
Weinschröter Heilo Hartrad
(„Heilo Hartradus sartor vini“) erwähnt, bei dem es sich
vielleicht um Culmanns Bruder, den Mühlenpächter Heilmann Hartrad
handelte. Die Schröter waren für die Verladung der zu Schiff
ankommenden Weinfässer und den Transport in die Keller der
Stadthäuser zuständig; an der Schiffsanlegestelle vor St.
Leonhard, wo die Fracht mit Kränen an Land gesetzt wurde, entstand
der Weinmarkt. Die Hartrad hatten, zumindest später,
Immobilien in diesem Bereich der Stadt, nämlich in den Jahren 1354
bzw. 1366 ein oder zwei Häuser am Kornmarkt, seit etwa 1369 das
dortige Haus zum Heiligenstein, seit mindestens 1387 das ebenfalls
hier gelegene Haus zum dürren Baum sowie seit 1398 das Haus
Altenburg (Aldenburg, Alteburg) gegenüber der Leonhardskirche.
1341 wird ein
[N.N.] Hartrad von Dieburg (wohl Culmann) in Frankfurt erwähnt; 1353
amtiert Culmann als Schultheiß Ulrichs III. von Hanau in Hayn
(Dreieichenhain). 1357 ist er wohl verstorben, vielleicht an der
Pest, die 1349 und 1357 die Frankfurter Gegend heimsuchte; denn am 17. August 1357 erlangte
Culmanns Frau Hille für sich selbst das Bürgerrecht der Stadt Frankfurt und
wurde, nachdem sie geschworen hatte, als „Hylle Hartraden von
Dypurg“ ins Bürgerbuch eingetragen. Möglicherweise ist dies ein
Hinweis darauf, daß Culmann bei seinem Tod noch in hanauischen
Diensten stand und seine Witwe nun nach Frankfurt zurückkehrte.
Schon im Juni bzw. November des Jahres 1357 hatte Culmanns
Tochter, die Begine Liebel
Hartrad von Dieburg („Liebel Hartradin von Dypurg“), für 2.000 Mark das Haus zum
Laderam am Frankfurter Römerberg von den Erben Gerlachs zum
Hohenhaus gekauft und es ihrer Mutter Hille
auf Lebenszeit zur Wohnung übergeben. Mit
dem Haus Laderam hatte die Familie eine repräsentative Liegenschaft
erworben: direkt an das Haus zum Römer stoßend (das seit 1405
Rathaus der Stadt und später Beratungsort der Kurfürsten bei der
Königswahl war), diente es wiederholt dem Kaiser als Wohnung, wurde
1495 Sitz der ‚Adeligen Ganerbschaft des Hauses Alten-Limpurg‘,
nach der es fortan benannt wurde, und ist seit dem Verkauf an die
Stadt 1878 selbst Teil des Frankfurter Rathauses, des ‚Römers‘.
Es gehört heute zu den wenigen im Kern mittelalterlichen Gebäuden
Frankfurts, die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs
rekonstruiert wurden und eine Ahnung vom historischen Gesicht der
Stadt geben.
Von Liebels
Geschwistern kennen wir Jutte, Hans und Else. Jutte
Hartrad von Dieburg, nach ihrem Haus auch Jutte zum Laderam
genannt, war 1357 mit dem Patrizier Dietwin zum Römer verheiratet, einen
Bruder Gottfrieds und Sterkils zum Römer. Von den Kindern, die
Jutte mit Dietwin hatte, ist mir keines sicher namentlich bekannt.
1363 war Jutte in zweiter Ehe Frau des Eliseus Weiß von Limburg (Eliseus
zum Laderam), eines Sohnes des Reichsschultheißen Rulmann Weiß und
der Clara Knoblauch. Aus der Ehe des Hans
Hartrad („Hanczil Hartrad“, „Hanczel Culmann“ ) mit Yde ging
eine Tochter Hille Hartrad von Dieburg hervor, die mit Jeckel Knoblauch (Jakob
Knoblauch dem Jungen) verheiratet war, einem Sohn des reichen
Patriziers und Bürgermeisters Jakob Knoblauch und Schwager des
Reichsschultheißen Siegfried zum Paradies; Jeckel war Frankfurter
Schöffe, wurde aber 1396 wegen Anstiftung von Bürgerunruhen
abgesetzt.
Else
Hartrad schließlich war 1357 mit Heinrich zum Culmann
verheiratet (das Haus zum Culmann ist das spätere Haus zur Goldenen
Waage am Markt; es trug seinen Namen seit Anfang des 14.
Jahrhunderts nach einem Goldschmied Conrad oder Culmann); dieser
Heinrich soll nach Friederichs (Die Cöllner zum Römer) mit einem
1357 genannten Heinze zum Waldeck zu identifizieren sein, dessen
Witwe Else Hartrad 1380 gewesen sei (das Haus zum Waldeck stand am
Krautmarkt, nicht weit vom Haus zum Culmann). Allerdings lebte
dieser Heinz zu Waldeck / Heinrich zu Waldecken noch 1380, 1384 und
1387 (s. u.). Sofern es sich bei Heinrich zum Culmann und Heinrich
zu Waldecken nicht um verschiedene Personen handelt, mag bei
Friederichs auch ein Lesefehler vorliegen: denn Dietz (Frankfurter
Handelsgeschichte) erwähnt einen 1357 erstmals bezeugten, aber erst
1390
(nicht 1380) als verstorbenen bezeichneten Heinzchen
Hartrad zu Waldeck (I.) aus Dieburg am Frankfurter Krautmarkt,
der ‚Gadenmann‘, d. h. Tuchhändler war und ein Vermögen von
4.200 Pfund Heller versteuerte. Die Gadenleute bildeten damals die
Spitze der Kaufmannschaft; ihre Verkaufsstände befanden sich unweit
des Krautmarktes ‚unter den Tuchgaden‘. Da der Patrizier
Adolf Knoblauch Heinzchen Hartrads Schwiegersohn war, handelt es sich bei Adolfs
erster Frau Elisabeth wohl um Heinzchens Tochter. Sofern Heinrich zu
Waldecken mit Heinzchen Hartrad zu Waldeck personengleich ist, wäre
ein im Frankfurter Einwohnerverzeichnis von 1387 genannter Adolf
zu Waldecken, Sohn des Heinrich zu Waldecken, als weiteres Kind
Elses und Heinrichs und somit als Angehöriger der Dieburger Hartrad
anzusehen. Das gilt auch für einen zweiten, wohl 1427 verstorbenen Heinze Waldeck
von Dieburg (II.), dessen Kinder wiederum nach seinem Tod unter
der Vormundschaft des Heinz zum Römer standen; letzterer ist, da er
als „nächster ‚Magen und Freund‘“ seiner Mündel bezeichnet
wird, als ein naher Verwandter des Heinze Waldeck zu betrachten,
vielleicht als ein Sohn Juttes und Dietwins. Möglicherweise
gehören zur Nachkommenschaft dieses Zweiges auch ein Johannes
Waldeck von Dieburg, der seit 1437 in Erfurt studierte, sein
Namensvetter Johannes Waldeck von Dieburg, der sich 1464 in
Erfurt immatrikulierte, ein Ludwig Waldeck, der zwischen 1474
und 1487 als Frankfurter Stadtschreiber genannt wird, sowie ein
namensgleicher Ludwig Waldeck aus Frankfurt, der 1485 in
Erfurt, 1487 in Heidelberg als Student eingeschrieben war.
Von den weiteren
Geschicken der Geschwister Liebel, Jutte, Hans und Else Hartrad
erfahren wir zwischen 1357 und 1387 noch des öfteren anläßlich
zahlreicher Besitzveränderungen am Haus Laderam. Gemäß der
Vereinbarung zwischen Liebel und ihrer Mutter Hille sollte das Haus
nach Hilles Tod zu gleichen Teilen an ihre vier Kinder sowie deren
Ehepartner fallen. Da Jutte Hartrad bereits 1372 mit dem Beinamen
‚zum Laderam‘ vorkommt, als sie für ihre Kinder dem Gottfried
zum Römer das Viertel einer Gülte auf dessen Haus abkaufte, war
Hille Hartrad, die 1369 noch genannt wird, in diesem Jahr wohl schon
tot und ihr Erbe unter die Geschwister aufgeteilt. Hans scheint 1380
gestorben zu sein, da am 31. März dieses Jahres seine Tochter Hille
und deren Mann Jeckel Knoblauch ihr ererbtes Viertel um 675 kleine
schwere Gulden an Jutte und Liebel gaben, von denen Else und
Heinrich zu Waldecken noch am selben Tag ein Drittel des
Viertelanteils für 225 Gulden erwarben, sodaß das Haus nun den
drei Töchtern Culmanns zu je einem Drittel gehörte. 1387
veräußerten Else und Heinrich ihren Anteil für 800 kleine schwere
Gulden an Jutte, die damit Eigentümerin des gesamten Hauses
geworden zu sein scheint. Vielleicht war inzwischen also auch die
Schwester Liebel gestorben, die 1384 noch einige von ihrer Mutter
stammende, von dieser für ein Seelgerät bestimmte Güter als
Legate an Jutte, Else und Heinrich überschrieben hatte. Else
scheint später nach Köln gezogen zu sein; Jutte wiederum wird in
einer Urkunde von 1399 als bereits verstorben erwähnt; tatsächlich
aber dürfte ihr Tod noch um einiges früher anzusetzen sein, da
1397 ein Henne Frosch Anteile am Haus Laderam besaß, die er von
seiner ersten Frau Clara (einer Tochter Juttes?) geerbt hatte und
nun an seinen Schwager, den Alten-Limpurger Patrizier Heinrich
Schwarz von Friedberg verkaufte.

Die Linie des
Frankfurter Bürgermeisters Erwin Hartrad
Durch ihre
Verwandtschaft und Verschwägerung mit einigen der wichtigsten
Frankfurter Patrizierfamilien des ausgehenden Mittelalters waren die
Hartrad in eine gesellschaftliche Position gelangt, die eine zweite
Linie der Familie gegen Ende des 14. Jahrhunderts auch politisch zu
nutzen verstand. Besonders die mehrfache Verbindung zu den
Knoblauch, einem der ältesten Frankfurter Geschlechter, wird dabei
nicht von Nachteil gewesen sein: Jakob Knoblauch – der
Schwiegervater von Hans Hartrads Tochter Hille und wohl auch von
Else Hartrads Tochter Elisabeth, zudem Großonkel von Jutte Hartrads
zweitem Mann Eliseus Weiß – war nicht nur einer der damals
reichsten Bürger der Stadt, sondern verfügte auch über
herausragende politische Kontakte; seit 1333 besaß er den Saalhof,
die alte staufische Frankfurter Königspfalz, und Kaiser Ludwig der
Bayer, der bei seinen Besuchen in Frankfurt des öfteren bei ihm
wohnte, machte ihn 1334 ebenso zu seinem Hofdiener wie 1349 Kaiser
Karl IV. Jakobs Schwiegersohn wiederum, Siegfried von Marburg zum
Paradies – Hilles und Elisabeths Schwager –, war eine Generation
später die bedeutendste Persönlichkeit der Reichstadt; 1366 löste
er das bis dahin an die Herren von Hanau verpfändete Frankfurter
Reichsschultheißenamt aus, trat den Besitz 1372 an die Stadt ab und
kann somit als Begründer der bis 1806 währenden Unabhängigkeit
Frankfurts gelten.
Als ersten
Angehörigen des zweiten Frankfurter Zweiges der Familie Hartrad
finden wir um die Mitte des 14. Jahrhunderts Erwin
Hartrad zum Dorrenbaum, der sich mit einem Vermögen von 6.100
Pfund Heller zu den wohlhabendsten Bürgern der Stadt zählen
konnte; im Beedebuch von 1354 steht er unter den Steuerzahlern an 21. Stelle. Sein Haus
zum dürren Baum (das spätere Stammhaus der Patrizierfamilie Monis)
stand an der Einmündung der Falkengasse in den Kornmarkt, die
heutige Buchgasse, unweit St. Leonhard. Im Jahr 1346 testierte Erwin
Hartrad eine Urkunde, mit der die Frankfurter Bürgerin Else Schwalbächer umfangreiche Güter in Gronau, nördlich zwischen
Frankfurt und Hanau in der Wetterau gelegen, erwarb (Else Schwalbächer war mit dem Schöffen Gerlach vom Hohenhaus
verheiratet, dem Vorbesitzer des Hauses Laderam, s.o.). 1358 lieh
Erwin dem Johann
von Falkenstein-Münzenberg 40 Gulden Frankfurter Währung; 1366
übergaben Erwin und seine Frau Agnes ihr Haus am Kornmarkt an Henne
Drutmann, den Ehemann ihrer verstorbenen Tochter Katherine.
Eine weitere Tochter, Hebel (†
nach 1417), war 1389 mit Werner Faut von Monsberg verheiratet. Ein Henne
Hartrad, der im Frankfurter Einwohnerverzeichnis von 1387 als kremer
aufgeführt ist (was unterschiedslos sowohl den Kleinhändler wie
den Handelsmann bezeichnete), könnte ein Sohn Erwins zum Dorrenbaum
gewesen sein.
Erwin Hartrads
gleichnamiger Sohn, der als Erwin Hartrad ‚der Junge‘ siegelt, erscheint erstmals im Frankfurter
Einwohnerverzeichnis von 1387. 1393 verkauft er eine Ewiggülte von
½ Mark, die er von seinem Vater geerbt hatte (der also
möglicherweise in diesem Jahr verstorben war). 1391 und 1392 findet
sich außerdem ein weiterer Erwin Hartrad als Schaffner zu St.
Kathrinen, der entweder mit Erwin d. J. personengleich ist oder aber
dessen älterer Bruder gewesen sein mag.
Zu dieser Zeit
begann die politische Karriere Erwin Hartrads d. J., der seit 1392
als Frankfurter Ratsherr erwähnt wird. Der Rat der Stadt war damals
in die drei Bänke der Schöffen, der Jungherren und der Zünfte
geteilt. Zutritt zur ersten und zweiten Bank, deren Sitze nicht
durch Wahl, sondern durch Selbstergänzung vergeben wurden, hatten
nur die Mitglieder der ‚Gemeinde‘: die nicht zunftmäßig
organisierten Bürger (zu denen auch Erwin Hartrad zum Dorrenbaum
und sein Sohn gehörten), in der Hauptsache also die vermögenden
Grundbesitzer und Handelsleute. Aus den Reihen der Jungherren wurden
im Regelfall die Mitglieder der Schöffenbank genommen, die nur
einer kleinen Anzahl auf sozialen Abschluß bedachter patrizischer
Geschlechter offenstand, sodaß die dritte Bank der Handwerker kaum
politisches Gewicht entwickeln konnte. Der Druck der wirtschaftlich
erstarkenden Zünfte führte seit 1355 zu vorübergehenden Reformen,
1364/65 sogar zu einem Handwerkeraufstand, maßgeblich befördert
durch den Reichsschultheißen Heinze im Saale und den Wollweber
Andreas Heilegeist, der es bis zum Bürgermeister gebracht hatte.
Auf der patrizischen Gegenseite stand in diesen Jahren insbesondere
Siegfried zum Paradies, der vom Kaiser schon 1366 eine
Unterdrückung aller demokratischen Bestrebungen und die
vollständige Wiederherstellung der alten Verhältnisse erreichte.
Trotz gewisser Zugeständnisse des Patriziats an die Handwerker, vor
allem nach der Niederlage Frankfurts im Süddeutschen Städtekrieg
1389, blieben alte Mißstände bestehen: so weigerten sich die
patrizischen Geschlechter nach wie vor, erledigte Schöffenstellen,
die sie als Familienpfründe ansahen, neu zu besetzen, solange kein
Nachfolger aus der eigenen Familie zur Verfügung stand; stattdessen
ließ man den Schöffenstuhl vakant, bis ein geeigneter Kandidat
volljährig geworden war. Im Jahr 1395 waren auf diese Weise von 14
Schöffenstellen nur neun vergeben, was König Wenzel veranlaßte,
gegen den Widerstand der reaktionären Partei im Rat die sofortige
Besetzung der fünf freien Plätze auf der Schöffenbank anzuordnen.
Da Erwin Hartrad
seit März 1395 als Frankfurter Schöffe urkundete, darf man
annehmen, daß er zu den fünf auf königlichen Befehl ins
Schöffenamt eingeführten Ratsherren gehörte. 1398 wird er bei
Verhandlungen Frankfurts mit den Städten Friedberg und Gelnhausen
als Mitglied des Frankfurter Landgerichts genannt („Erwin Hartdrat,
unser myddescheffin und ratgeselle, der in lantgerichte phliget zu
siczen“); im selben Jahr war er stellvertretender Bürgermeister
(für Gerbrecht von Glauburg oder Konrad Weiß), in der Amtsperiode
1400/1401 dann Vertreter des Heinrich Weiß zum Weißen als Zweiter
(Jüngerer) Bürgermeister. Als der Rat der Stadt im Jahr 1401 den
Beschluß faßte, das baufällig gewordene alte Rathaus am Dom durch
einen Neubau am Römerberg zu ersetzen, berief er Erwin Hartrad d.
J. zum Baumeister, der die Planungen vorantreiben sollte.
Tatsächlich wurde noch im selben Jahr ein Modell gefertigt und eine
Schiffsladung Steinquader aus Miltenberg beschafft. Schon wenig
später scheint man das Vorhaben allerdings fallengelassen zu haben;
im Stadtrechenbuch sind seit 1402 nur mehr kleinere Ausgaben für
das Projekt verzeichnet, und 1405 hatte man mit dem Ankauf des
Hauses zum Römer und seinem Umbau zum Sitzungslokal eine
kostengünstige Alternative gefunden.
1402 wurde Erwin zum Ersten (Älteren) Bürgermeister der
Reichsstadt Frankfurt gewählt; in seine einjährige Amtszeit fällt
die Gründung des ersten Frankfurter Bankhauses, des ‚Wessils‘,
durch den Rat der Stadt. In der Folgezeit vertrat Erwin die Stadt
Frankfurt mehrmals als Gesandter auf Reichsversammlungen; 1404 ist
er, zusammen mit dem Ratsherrn Clas Landskron, der erste namentlich
bekannte Pfleger der Nikolai-Kirche am Römerberg. 1408 wird er
gleich nebenan die erste Stadtratssitzung im neubezogenen Rathaus
miterlebt haben. Im Dezember dieses Jahres sowie von Januar bis
März 1409 fungierte er als stellvertretender Reichsschultheiß
(für Rudolf von Sachsenhausen) und urkundet noch bis November 1409
als Schöffe. Da im Januar 1411 das Haus des verstorbenen Erwin
Hartrad am Viehmarkt (heute die Zeil) in der Frankfurter Neustadt
erwähnt wird, fällt Erwins Tod wohl ins Jahr 1410.
Von einer
namentlich nicht bekannten Ehefrau aus der Patrizierfamilie der Faut
von Monsberg hatte Erwin d. J. eine mit Henne Frosch verheiratete
Tochter Adelheid (Elchin,
† nach 1410, vor 1424). Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1438
vererbte sich ihr Nachlaß, für den Henne Frosch das
Nutznießungsrecht besessen hatte, an Adelheids nächste
Angehörige: Eberhard von Praunheim (aus alter Ritter- und
Reichsschultheißenfamilie) mit seiner Frau Meckel, die Patrizier
Herman Appenheimer (aus einer der reichsten Familien Frankfurts )
mit seiner Frau Grede und Henne Brun gen. Faut mit seiner Schwester
Elschin sowie die Bürger Tiel und Meckel Ruting von Kaldebach,
Heinrich und Grede Eber von Miltenberg, Heinrich und Anne Ziegeler
von Miltenberg und Kathrine, Witwe des Michel von Windsbach. Schon
im Mai und im Juni 1438 hatten die Erben Adelheids aus den ihnen
zugefallenen Gütern Verkäufe getätigt, sodaß sich der Besitz der
Verstorbenen wenigstens in Teilen rekonstruieren läßt. Demnach
hatten die Eheleute Ruting, Eber und Ziegeler sowie Kathrine von
Windsbach erhalten: ½ Morgen Gartenland in der Lindau, neben einem
gewissen Rupelhenne, 2½ Morgen Wiesen in der Lindau zwischen Herman
Appenheimer und dem Metzenhenne, 3 Morgen weniger 1 Viertel Wiesen
zu Ginnheim, genannt die gemeine Wiese, zwischen Herman Appenheimer
und der Viehweide, sowie 1½ Morgen und 12 Ruten Wiesen zu Ginnheim
jenseits des Bachs; Käufer war für 148 Gulden Henne Brun gen.
Faut. Eberhard von Praunheim und seine Frau verkauften einen Monat
später, vielleicht also auch aus dem Nachlaß Elses, noch 20 Gulden
Gülte zu einem Preis von 400 Gulden an Gerbracht von Glauburg. Zum
Erbe gehörte ferner das Haus Altenburg, gegenüber der Kirche St.
Leonhard, das im Jahr 1398 Adelheids Vater, Erwin d. J., für 80
Pfund und vier Schilling Heller von den Brüdern Adolf und Junge
Weiß gekauft hatte.
Aus einer zweiten
Ehe Erwins d. J. stammte der Sohn Henne
Hartrad, der seit 1412 genannt ist, aber 1438 bereits verstorben
sein muß, da er nach dem Tod seines Schwagers nicht zu den
Nacherben seiner Schwester Adelheid gehörte. Zum Vormund Adelheids
war 1410, nach dem Tod Erwins d. J., ein anderer Henne Hartrad, gen. Krone bestellt worden – wohl ein Bruder
Erwins, der die Pflegschaft zusammen mit Idel Drutmann sowie Else
und Herte Brun, gen. Faut von Monsberg ausübte. Dieser Henne –
vielleicht derselbe, der schon im Einwohnerverzeichnis von 1387 als
Weber erscheint – kauft 1430 mit vielen
andern mehrere Gaden im alten Weberkaufhaus, im Jahr darauf ist er
als Wollwebermeister erwähnt. Der Beiname Hennes - Krone - kann
sich auf das Haus zur Krone am Kornmarkt ebenso beziehen wie auf
eines der Häuser zum
Kranich (kron, krone) am Römerberg bzw. am Roßmarkt.
Nicht ganz klar
ist die verwandtschaftliche Zuordnung einer Elheit
(Adelheid) Hartrad. Im März 1379 führten der
Dominikanerprediger Peter (Dufel) und seine Schwester Christine
Klage gegen sie wegen des Hauses zum Heiligenstein am Kornmarkt, das
sie als ihr vermeintliches Erbe herausforderten; Elheit erwiderte,
sie habe das strittige Haus noch zu Lebzeiten ihres Mannes an die
fünf Jahre und ebensolang auch nach dessen Tod besessen, ohne daß
jemand rechtliche Ansprüche darauf erhoben hätte; die Klage wurde
abgewiesen. Im Juni 1379 werden dann Heintze zu der Leiter und seine
Frau Alheid (= Elheit Hartrad?) als Eigentümer des Hauses erwähnt;
als Schwester Alheids erscheint in derselben Urkunde eine Katharina,
Tochter des Nyclaus Hartunch (es handelt sich wohl um den
Bäcker und Ratsherrn Klaus Hartung). Im März des darauffolgenden Jahres (1380)
ist das Haus Heiligenstein schließlich im Besitz der Geschwister
Henne Milwer, Jost Milwer und Katharina Hartrade, den Kindern des verstorbenen Jacob Milwer, die
es an Irmel Gulde verkaufen. Sowohl Elheit (geb. Hartung?) als auch
Katharina (geb. Milwer) scheinen demnach in die Familie Hartrad
eingeheiratet zu haben, wobei der genaue Erbgang des Hauses dennoch
Rätsel aufgibt.
Verwirrend kommt hinzu, daß auf dem Kornmarkt,
also in unmittelbarer Nachbarschaft des Hauses Heiligenstein,
zwischen 1317 und 1336 ein Bäcker Hartrad mit seiner Frau Jutta
bezeugt ist, der mit der Dieburger Familie nicht in Beziehung steht,
von dem aber wohl der Bäcker Klaus Hartung und seine Tochter Elheit
Hartrad abstammen. Denn zur Familie des Bäckers Hartrad gehörte
außer den Söhnen Hartrad
(„Hartdradus
filius Hartdradi uf dem Kornmergthe“),
Wortwin und Konrad („Wortwinus
et Conradus fratres, filii Hartradi in foro frumenti“) sowie
einem Drutmann, genannt der Blinde („Hartrado
in foro Frumenti, Drutmanno genero eiusdem“, 1318) und einem
Hermann („Hermannus
gener. Hartradi pistoris“) auch ein
Hartung („Hartungus
gener. Harttradi pistoris“, 1317), der 1340 als Hartung Becker
auftritt.
Diese Umstände
sowie die zahlreichen Besitzungen Erwin Hartrads d. J. und seiner
Angehörigen rund um den Kornmarkt haben Johann Karl von Fichard,
den Chronisten des Frankfurter Patriziats, darauf gebracht, in
seiner Frankfurter Geschlechtergeschichte die Erwinsche Linie als
eigene, mit den Dieburger Hartrad nicht verwandte Familie zu
behandeln. Gegen Fichards
Ansicht aber sprechen eine Reihe von Argumenten, die er zum Teil sogar
selbst referiert. In der Tat kann
Erwins
Vater, Erwin zum Dorrenbaum, kein Sohn Culmann Hartrads
gewesen sein, da er bei den Erbschaftsangelegenheiten um das
Haus Laderam nicht erwähnt wird. Als Neffe Culmanns aber
käme er durchaus in Betracht, sei es über Rulmann, sei es über
Heilmann Hartrad, die Fichard beide nicht kennt. Einen Beleg dafür
bietet eine von Fichard zitierte Frankfurter Akte des Jahres 1360,
in der Henne Drutmann (der Mann von Erwins d. J. Schwester Katharine
Hartrad) als Schwager Ditwins zum Römer (des Mannes der Jutte
Hartrad zum Laderam) bezeichnet ist. Fichard stellt dazu fest, daß als
Schwager jeder Verwandte von Seiten der Ehefrau gelten konnte, und
schließt daraus zunächst auf eine Zugehörigkeit Katharines bzw.
Erwins zu den Dieburger Hartrad; später relativiert er diese
Aussage mit der Bemerkung, die Schwägerschaft könnte auch auf
anderem Wege zustandegekommen sein, ohne freilich Quellen
vorzulegen, die dies wahrscheinlicher machen würden als die Annahme
einer Stammverwandtschaft des Culmannschen und des Erwinschen
Zweiges. Ein weiteres Indiz ist dem Frankfurter Einwohnerverzeichnis
von 1387 zu entnehmen. Da die Namen hier zumindest teilweise nach
den Wohnorten ihrer Träger geordnet sind, läßt sich anhand der
Liste eine ungefähre Vorstellung von den
Nachbarschaftsverhältnissen in der Stadt gewinnen. Insofern ist es
aufschlußreich, direkt unter dem Eintrag „Erwin
Hartrad“ (d. J.) folgende Namen zu lesen: Conrad Kyme, Henne
Sickenhofen, Richard budeler von Dippurg. Bei allen drei
Personen gibt es einen Bezug zur Dieburger Gegend: bei
Richard Budeler ist er ganz offensichtlich; Henne Sickenhofen
wiederum führt seinen Zunamen nach einer Ortschaft nahe Dieburg, in
dem Culmann Hartrad Besitzungen hatte; und den Namen Kyme
kennen wir bereits vom Dieburger Kymen-Gut, das Culmanns Bruder
Heilmann gehörte (s.o.). Es ist nicht abwegig, hierin einen Hinweis
darauf zu sehen, daß auch die Familie Erwins Verbindungen in den Dieburger Raum
hatte, die nach dem Umzug ins nahe Frankfurt nicht ganz abgerissen waren. Dieses Bild vervollständigt sich durch einen Währschaftsbrief aus dem Jahr
1419: Henne Hartrad, der Bruder Erwins, verpachtet als Vormund
seiner Nichte Adelheid (Elchin) aus deren Besitz
ein Backhaus in der Frankfurter Fahrgasse für einen Erbzins von
jährlich 2 Gulden und 4 Schillingen an Bechtold Steindecker aus
Münster; gemeint ist hier wohl Münster bei Dieburg, wo Friedrich
Hartrad seit 1296 die Mühle Kistelberg (Münstermühle) besaß.
Im übrigen steht
außer Frage, daß die Dieburger Hartrad in mehr als einer Linie in
Frankfurt ansässig waren: denn zumindest der nachweislich aus
Dieburg stammende Heinzchen Hartrad zu Waldeck (s.o.) kann als
Ehemann Elses zu Waldecken, der Tochter Culmann Hartrads, nicht
selbst dem Culmannschen Zweig angehören. Auch bei einem im Nekrolog
des Bartholomäusstifts genannten „Johannes
Hartradi de Dyppurg“
ist fraglich, ob man ihn mit Culmanns Sohn Hans identifizieren kann,
der in Urkunden nur als „Hanczil Hartrad“ oder sogar „Hanczel
Culmann“ erscheint; es könnte sich vielmehr um einen der Hennes
aus dem Erwinschen Stamm handeln. Eindeutig nicht zur
Nachkommenschaft Culmanns, sondern eher zu den Söhnen Erwins d. J.
zu rechnen ist ein Heinrich Hartrad
von Dieburg („Henricus Harttradi de Dyppurg“); als Enkel
oder Urenkel Culmanns und Hilles hätte er bei den das Haus Laderam
betreffenden Immobiliengeschäften berücksichtigt werden müssen.
Wir finden ihn 1389, als er sich während des Rektorats des Wormser Magisters Heilmann
Wunnenberg an der nur drei Jahre zuvor gegründeten Universität
Heidelberg immatrikuliert. Möglicherweise ist er personengleich
mit einem „Henricus Hartrodi“, der seit 1393 in Wien studierte
und in der dortigen Matrikel der „Nacio Rynensium“ zugerechnet
wird. Die 1386 errichtete Heidelberger Universität nämlich hatte,
bedingt durch den Süddeutschen Städtekrieg sowie den Ausbruch der
Pest, bereits 1388/89 eine erste Krise zu bewältigen, die zu einem
Rückgang der Immatrikulationszahlen und zum Wegzug zahlreicher
Universitätsmitglieder führte. Die meisten Magister und Scholaren
gingen an die 1389 eröffnete Universität Köln; denkbar wären als
Ausweichorte aber auch Prag und Wien, zumal aus diesen beiden
Städten (neben Paris) ein Großteil des ersten Heidelberger
Lehrpersonals rekrutiert worden war.

Kleriker
der Diözese Mainz
Da
sowohl Dieburg als auch Frankfurt im Mittelalter zur (freilich sehr
großen) Mainzer Erzdiözese gehörten, sind in den Umkreis der
Frankfurter Hartrad vielleicht auch noch drei Mainzer Kleriker
dieses Namens aus dem 14. und 15. Jahrhundert zu rechnen: Hermann
Hartradi, der im Juli 1363 und im Januar 1369 in Regensburg als
Notar zwei kirchliche Urkunden beglaubigt; ein weiterer, mit dem
ersten kaum personengleicher Hermann Hartrad, der 1424 als
Priester an St. Peter im hessischen Fritzlar bzw. an SS. Maria und
Sebastian in Naumburg (bei Fritzlar) nachgewiesen ist; schließlich
ein Johannes Hartrad, 1429 und 1430 ebenfalls Kleriker an der
Fritzlarer Peterskirche.

Die Marburger
Hartrad
Eine zweite
bürgerliche, vielleicht patrizische Familie Hartrad gewinnt im
Spätmittelalter in der Marburger Gegend Konturen. Zuerst kommt der
Name hier im Jahr 1325 mit Johann
Hartradi vor: er ist Zeuge, als Konrad von Wahlen und seine Ehefrau
Gertrud dem Kloster Caldern bei Marburg ihre Güter zu Brungershausen
verkaufen. Ein Johann Hartradi begegnet
auch 1318, 1320 und
1331 als Schöffe zu Neustadt (heute Kreis Marburg-Biedenkopf); ob
es sich bei ihm um einen Angehörigen der Familie Hartrad handelt
oder aber um einen Sohn des Neustädter
Schöffen Hartrad von Momberg, ist nicht sicher zu entscheiden.
Öfter findet sich in den Urkunden ein Marburger Bürger Heinz oder Heinrich
Hartrad: 1357 bezeugt er einen Landverkauf in Leidenhofen an
zwei Nonnen des Klosters Hachborn; 1364
urkundet er als Zeuge gemeinsam mit Johann von Biedenkopf, einem Verwandten des
Frankfurter Reichsschultheißen Siegfried
von Biedenkopf, gen. von Marburg zum Paradies; 1375 übergibt er dem Kloster Hachborn zu seinem
Seelgedächtnis einen Acker in Hachborn, den er selbst von seinem
Bruder, dem Marburger Deutschherrn Gottfried Hartrad, gekauft
hat, als er schon verwitwet war; in einer Marburger Urkunde von 1384
wird er als verstorben bezeichnet.
Ein weiterer mutmaßlicher Ast der
Familie sind die Hartrad aus Rauschenberg (heute ebenfalls im Kreis
Marburg-Biedenkopf gelegen). Heinrich
Hartradis von Ruschinberg ist 1355 Bürger zu Kirchhain;
vielleicht derselbe Heinrich Hartrad
amtiert 1371
als Unterschultheiß zu Rauschenberg, wo sein Bruder Hartrad (!)
im selben Jahr Bürgermeister ist. Ein Dietmar Hartrad
aus Rauschenberg („Dyetmarus
Hartrudis de Rausenperg“) immatrikuliert sich im Oktober 1417 an
der Universität Wien.
Aus
Alsfeld schließlich, östlich von Marburg gelegen, stammt Johannes
Hartrad, der in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ins
Alsfelder Augustinerkloster eintritt und 1447 als Prior des
Augustinerklosters zu Waldheim (bei Meißen) genannt wird. Eine von
ihm stammende, heute in Trier verwahrte Handschrift (Hs SdB 274)
belegt seine wissenschaftlichen Interessen. Mit der Urkunde von 1447
übergibt Prior Johannes den Augustinern zu Alsfeld eine Wiese bei
der Hellmühle an der Eifa (bei Alsfeld), die schon seinen
verstorbenen Eltern gehört hatte und die seine Mutter zu der Zeit,
als er selbst dem Alsfelder Konvent beigetreten war, dem Kloster
versprochen hatte.
Möglicherweise gehören hierher auch: ein Johannes
Harttrut de Homberg, der seit 1446 an der Erfurter Universität
studierte, sofern es sich bei seinem Heimatort um Homberg an der Ohm
(zwischen Marburg und Alsfeld) und nicht um Homberg an der Efze (südlich
von Kassel), Homburg bei Kusel (Rheinland-Pfalz) oder um einen der
Orte Homberg im Westerwald, am Bodensee oder in Nordrhein-Westfalen
handelt; sowie ein Henne Hartradt, der in einer Urkunde von 1476 im nordhessischen
Treysa (bei Schwalmstadt, nördlich von Alsfeld) als ehemaliger Söldner
des hessischen Landgrafen Hermann erscheint.

Die Rothenburger Hartrad
Rothenburg
ob der Tauber ist die Heimat einer dritten mittelalterlichen Familie
Hartrad, die hier zu den Ehrbaren,
also den ratsfähigen, patrizischen Geschlechtern gehörte. Eine
Verwandtschaft mit den Hartrad aus Dieburg erscheint weder
ausgeschlossen noch zwingend. Als vorläufige Hinweise auf eine
eventuelle Verbindung mögen die Beziehungen der Rothenburger
Hartrad zum Deutschen Orden gelten, die sie mit den Dieburger und
Marburger Hartrad teilen, sowie die Tatsache, daß die Hartrad aus
Rothenburg Lehnsleute der Herren von Hohenlohe waren, in deren
Besitz sich im 14. Jahrhundert zeitweilig die Stadt Dieburg befand.
Auch mag das Wappen der Rothenburger Hartrad, drei im Dreipaß
gekreuzte Eichelstäbe, ein Verweis auf den Dreieicher Reichsforst
um Dieburg, Hayn und Münster sein. In jedem Fall ist die räumliche
Mobilität zumindest der bürgerlichen Oberschicht dieser Zeit nicht
zu gering zu veranschlagen.
Die
Rothenburger Familie wird, sofern man einen 1250 in Rothenburg oder
Würzburg genannten Konrad
Hartroet nicht hierherzählt, zuerst 1335 mit Heinz oder Heinrich
Hartrad faßbar. Er wird in Urkunden auch „der Ältere“
genannt, hatte also entweder einen (sonst aber nicht bezeugten)
gleichnamigen Sohn oder aber, im Mittelalter durchaus nicht unüblich,
einen jüngeren Bruder dieses Namens (wofür hinsichtlich des Alters
theoretisch Heilmann aus der Dieburger Familie in Frage käme).
Heinrich
war, gemeinsam mit seiner Frau Agnes, ein besonderer Wohltäter des
Deutschen Ordens, der in Rothenburg die Stadtpfarrkirche zu St.
Jakob verwaltete. 1343 errichtet Agnes dort zu ihrem Seelenheil
einen Jahrtag und übergibt dem Orden dafür 5 Pfund Heller zum Kauf
eines Weingartens bei Detwang. 1346 begründet Heinrich eine tägliche
Frühmesse am Johannesaltar zu St. Jakob nebst Unterhalt für einen
Ordenspriester und schenkt den Deutschherren hierfür die am Weg
nach Detwang gelegene Spitalsmühle sowie 60 Pfund Heller
baren Geldes; zu dieser Messe tätigt Agnes 1356, nach Heinrichs
Tod, noch eine Zustiftung von 30 Pfund Heller. 1348 zahlen die
Eheleute 18 Pfund Heller für ein ewiges Licht in derselben Kirche,
nachdem sie dort zu einem früheren Zeitpunkt bereits ein Ewiglicht
gestiftet hatten. Vielleicht im Gegenzug zu dieser ersten Stiftung
versprechen die Deutschherren den beiden in einer Urkunde von 1339
die Teilhabe an allen guten Werken des Ordens, also Predigten,
Gebeten oder Seelenmessen.
Für
den Deutschen Orden tritt Heinrich Hartrad d. Ä. auch wiederholt
als Zeuge auf. Schon die Urkunde von 1335 hatte einen Landverkauf
des Heinrich Schel zu Bütthard an das Deutsche Haus zu Rothenburg
zum Inhalt. Im Jahr darauf bezeugt Heinrich den Verkauf der
Baumgartenmühle bei Rothenburg an den dortigen
Deutschherrenkonvent; Verkäufer ist das überschuldete
Deutschordenshaus in Archshofen unter dem Komtur Gottfried d. Ä.
von Hohenlohe-Brauneck, dessen Bruder, Gottfried d. J., bis 1310 ein
Viertel der Stadt Dieburg besessen hatte.
Rund um
Rothenburg, vor allem westlich der Stadt, im Hohenloher Land um Kocher, Jagst und Tauber, kauft Heinrich Hartrad in den Jahren zwischen
1336 und 1351 umfangreichen Landbesitz - gemäß dem ungeschriebenen
Gesetz des Rothenburger Patriziats, Grundrenten zu erwerben und sich
nicht an Handwerk und Handel zu beteiligen. So gehen 1336 ein Hof,
Seldenhäuser, Gärten, Äcker, Wiesen und Wald in Hartradshofen
(!), heute Hartershofen, in Heinrichs Besitz über, 1340 dann zwei
weitere Höfe im selben Ort (darunter der sog. Storrenhof).
1341 kauft Heinrich Anteile eines Birkenbühel genannten
Waldes, 1342 eine Gülte von 10 Pfund Heller vom Rothenburger
Johanniterhaus sowie 2 Tagwerk Wiesen in der Mark Stretberg von der
Familie Küchenmeister von Nortenberg, 1343 zwei weitere Seldenhäuser
zu Hartradshofen, 1344 verschiedene Gülten zu Blumweiler, 1345
Holzrechte in Yrfershoven von den Brüdern Haupt, 1349
mehrere Äcker von den Johannitern, 1351 schließlich einige Güter
und Gülten von Konrad und Adelheid von Kurnberg. Interessant ist
ein Landkauf aus dem Jahr 1343: Elisabeth, die Witwe Gottfrieds von
Hohenlohe, veräußert „den wol bescheiden mannen“ Siegfried
Zuckmantel und Heinrich Hartrad, Bürgern zu Rothenburg, für 597½
Pfund Heller ihre Güter in Wermutshausen, Streichental und
Rinderfeld, behält sich aber ein 4jähriges Rückkaufsrecht vor.
Der Bruder Gottfrieds, ebenfalls Gottfried mit Namen, war 1293-1297
Deutschmeister zu Mergentheim, also zu der Zeit, als der Dieburger
Friedrich Hartrad von der dem Mergentheimer Haus unterstellten
Kommende Sachsenhausen die Mühle Kistelberg pachtete; über ihre
Schwester Agnes waren beide Gottfrieds zudem Onkel Ulrichs III. von
Hanau, dessen Schultheiß in Dreieichenhain seit 1353 Culmann Hartrad, der Sohn Friedrichs, war.
Im
Frühjahr 1355 scheint Heinrich gestorben zu sein, da seine Witwe
Agnes im März 1355 zu seinem Gedenken einen Jahrtag am Rothenburger
Johanniterhaus stiftet und am selben Tag um eine Summe von 50 Pfund
Heller für sich und ihre Nachkommen ein Siechenbett im neuen
Rothenburger Spital kauft. 1357 vermacht sie dem Spital mehrere Güter
und Abgaben in Grub, mit der Maßgabe, aus den Einkünften alle 14
Tage den Siechen ein Bad zu bereiten. Agnes wird noch 1359 als Käuferin
dreier Güter zu Tiefental genannt, für die sie den beachtlichen
Betrag von 266½ Pfund Heller bezahlt. In einer Urkunde von 1372
wird sie als verstorben erwähnt.
Von
den Kindern Heinrichs und der Agnes kennen wir mindestens sieben: Anna
Hartrad wird 1361
und 1372 als Frau des Edelknechts Konrad Dürr (Durre) genannt, Klara
Hartrad 1356 als Frau des Fritz Bernger zu Lauda. Johann Hartrad ist 1360, 1364 und 1367 Deutschherr zu Rothenburg und
vielleicht personengleich, vielleicht aber auch der gleichnamige
Bruder eines schon 1343 erwähnten Johann
Hartrad. Die Witwe eines Wilhelm
Hartrad, Vele, stiftet im Jahr 1380 für sich und ihren
verstorbenen Mann einen Jahrtag am neuen Spital zu Rothenburg.
Als ein
weiterer Sohn Heinrichs d. Ä. erscheint 1352 Sifrid Hartrad;
gemeinsam mit seinem Vater sowie seinem Bruder Engelhard Hartrad bestätigt
er der Gräfin Irmengard von Nassau die Bezahlung einer Summe von
300 Pfund Hellern, die die Gräfin, eine geborene Hohenlohe, der
Familie schuldig war; auch hier ergeben sich vielleicht Beziehungen
nach Hessen, insofern Irmengards Mann Gerlach von Nassau seit 1326
Reichsvogt der Wetterau war und nach dem Erlöschen des Hauses
Merenberg 1328 die Vormundschaft über die Töchter Hartrads VII.
von Merenberg erhielt.
Engelhard
Hartrad wird noch 1364 und 1369 in
Rothenburger Urkunden genannt; im Lehenbuch Gerlachs von Hohenlohe
ist er im März 1357 als hohenlohischen Lehensnehmer verzeichnet:
„Item her Gerlach hat gelihen Engelhart Hartrat den obern hof zu
Hartrades hofen, da Walther Hofmann auf sitzt und auch den zehenden
daz dritteil da selbst zu Hartrades hofen“. Weitere Güter besitzt
Engelhard in Augsteten und
Niederstetten, dazu ein Haus in Rothenburg. Aus der Ehe mit einer
Tochter des Schweinfurter Bürgers Berthold Salzkestner hatte
Engelhard zwei Kinder, Hans und Katharina (Henselin
und Ketherlin), die 1364 ihrem Großvater Berthold in Kost gegeben
werden, bis sie „zu irn tagen koment“, also: volljährig sind
(die Salzkestner waren eine ursprünglich Würzburger
Patrizierfamilie: Endres Salzkestner, im 14. Jahrhundert Bürgermeister
zu Würzburg, und Georg Salzkestner, 1473—1496 Abt des Würzburger
Benediktinerklosters St. Stephan, gehören hierher). Ein Hanns
Hartrat, vielleicht der Sohn Engelhards, ist für 1383 in Bütthard
(bei Tauberbischofsheim) bezeugt, wo 1362 auch ein Ritter (?), 1375
ein Edelknecht Hartrad von Bütthard
(Buttert) genannt wird.
1363, 1364 und 1369 findet sich schließlich Konrad
Hartrad, wohl ebenfalls ein Sohn Heinrichs d. Ä., in
Rothenburger Urkunden, und zwar 1364 als Zeuge für Engelhard, 1369
als Bürger des Rats (Ratsherr). Sein Siegel zeigt, abweichend von
dem seines Bruders Engelhard, eine einzelne, aufrecht stehende
Eichel. Um das Jahr 1370 werden Konrad durch das Landgericht
Rothenburg die Nutzrechte an verschiedenen Immobilien zugesprochen,
deren Eigentümer sich vermutlich verschuldet hatten und nun einen
Teil ihrer Besitzungen als Sicherheit herausgeben mußten. Zu den
von Konrad übernommenen Gütern gehörten insbesondere die Vesten
Bemberg (Bebenburg) und Gammesfeld aus dem Besitz des Wilhelm von
Bebenburg. Das Urteil scheint angefochten worden zu sein, da Konrad
im November 1370 den Rothenburger Stadtschreiber als seinen Bevollmächtigten
zu Kaiser Karl IV. nach Prag schickt, um den Schiedsspruch bestätigen
zu lassen. Tatsächlich erlangte Konrad beim kaiserlichen
Hofrichter, dem Landgrafen Johann I. von Leuchtenberg, auch die
Feststellung seiner Rechte; als Schirmer des Urteils wurden unter
anderen der Burggraf zu Nürnberg, die Herren von Hohenlohe sowie
die Städte Würzburg, Rothenburg, Dinkelsbühl, Feuchtwangen und
(Schwäbisch) Hall eingesetzt. Spätestens 1385 wird Konrad gestorben sein, da
seine Tochter Sophia im
April dieses Jahres an der Rothenburger Deutschordenskirche einen
Jahrtag für ihn und seine (wohl noch lebende) Frau Kathrin stiftet.
1390 errichtet Sophia in derselben Kirche einen Jahrtag für sich
und ihren Mann, den aus ritterbürtiger Familie stammenden Herold
vom Rein.

Der
Artikel zur Familiengeschichte als PDF-Dokument:

 Familien Hartrad im Mittelalter:
Stammtafel 
 Quelle zum Download: Johann Karl von Fichard genannt Baur von Eysseneck: Hartrad.
In: Geschlechtergeschichte der Stadt Frankfurt am Main, Ms. um 1810,
fasc. 124, Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main 

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841, 873, 874, 963, 964, 981, 1003, 1004, 1030, 1093, 1133, 1159,
1161, 1199, 1211, 1215, 1237, 1349, 1436, 1441, 1474, 1517, 1578,
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Heraldik, Sphragistik und Genealogie. 16. Jg., Nr. 1, Berlin 1885,
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