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Patrizier

 

Schon im Spätmittelalter treten in Frankfurt, Marburg und Rothenburg patrizische Familien Hartrad ins Licht der Geschichte. Ein Zusammenhang dieser Geschlechter mit unserer aus Friedberg stammenden Wetterauer Familie ist bislang nicht belegt, aber durchaus denkbar. Besonders zwischen Frankfurt, Friedberg und Marburg bestanden im Mittelalter enge politische und wirtschaftliche Verbindungen: so gehörten Friedberg und Frankfurt seit 1285 gemeinsam dem Wetterauer Städtebund an, ihre Messen waren terminlich aufeinander abgestimmt. Frankfurt strahlte dank seiner Messe ohnehin auf den gesamten hessischen und rhein-mainischen Raum aus, sodaß sich zwischen den Bürgern der dortigen Städte häufig auch familiäre Kontakte ergaben. Viele Geschlechter aus dem Frankfurter Handelsbürgertum hatten Niederlassungen und Familienzweige an mehreren Orten, trieben Geschäfte mit dortigen Angehörigen oder stammten selbst aus der Wetterauer Umgebung. 

Die Frankfurter Hartrad, die ursprünglich aus dem etwas weiter südlich gelegenen Dieburg stammen, könnten auch als Dienstmannen der 1255 ausgestorbenen Reichsministerialen von Münzenberg oder ihre Erben, der Herren von Falkenstein aus dem Hause Bolanden und der Herren von Hanau, in die Wetterau gelangt sein: die Münzenberg nämlich besaßen neben ihrer namensgebenden wetterauischen Herrschaft, die sie in der Mitte des 12. Jahrhunderts erworben hatten, auch Güter um ihren Stammsitz, die Burg Hagen (Hayn) im Wildbann Dreieich, darunter Babenhausen und Münster nahe Dieburg sowie seit 1229 bzw. 1239 auch Dieburg selbst; über die Dreieich waren sie seit dem Ende des 11. Jahrhunderts als Reichsvögte eingesetzt. Die Hanauer, die 1255 ein Sechstel des Münzenberger Erbes erhielten – unter anderem Anteile an Münzenberg, 1304 auch an Münster –, hatten zuvor schon durch Heirat das Amt Babenhausen erworben; in der Wetterau übten sie 1275-1279, 1300-1305/6 und wieder seit 1349 das Landvogteirecht aus, und 1275-1279 amtierte Reinhard I. von Hanau als Burggraf von Friedberg. Die Bolanden wiederum waren seit der Mitte des 12. Jahrhunderts, also noch vor den Münzenberg, Herren in Dieburg gewesen, seit 1215 in der Linie Bolanden-Falkenstein; andererseits waren sie 1255 zu 5/6 Nachfolger der Münzenberg dortselbst sowie in Münster, dazu später ebenfalls Landvögte in der Wetterau und Vögte in der Dreieich. 

Die Hartrad von Dieburg

Zunächst finden wir unseren Namen am südlichen Rand des alten Königsforstes Dreieich, in Dieburg, am Eingang zum Odenwald, mit einer Ratsherrenfamilie, die sich nach wenigen Generationen ins nahegelegene Frankfurt verzweigte und dort ins städtische Patriziat aufstieg. Bereits 1254 treten in Dieburg ein Schöffe Hartrat und ein Heinrich Hartradi (wohl sein Sohn) als Zeugen auf, als Ulrich von Münzenberg seinem Vogt Rudolf Beckenhube die Mühle Kistelberg bei Münster verleiht. Im Jahr 1295 bezeugt der schon 1293 erstmals genannte Dieburger Schöffe Friedrich Hartrad („Fridericus Hartradi“), vielleicht ein Sohn Heinrichs, zusammen mit den übrigen Schöffen der Stadt, daß der Pfarrer Johannes von Roßdorf seinen Anteil an der nämlichen Mühle den Deutschherren in Frankfurt-Sachsenhausen veräußert habe. 

Vorausgegangen waren diesem Rechtsgeschäft langjährige Auseinandersetzungen zwischen den Dieburger Familien Groschlag und Aumann einerseits und einem gewissen Friedrich Ocalp andererseits, die einander widerstreitende Ansprüche auf Anteile an dem Mühlenlehen erhoben; dem Deutschordenshaus gelang es schließlich, Ocalps Anteil zu erwerben und die Groschlag und Aumann zum Verzicht auf ihre Ansprüche zu bewegen. Weitere Anteile wurden nach und nach dem Frankfurter Bartholomäusstift und den Dieburger Minoriten abgekauft. Mit dem Roßdorfer Anteil war die Mühle schließlich ganz in der Hand des Deutschen Ordens und wurde im darauffolgenden Jahr, 1296, dem Friedrich Hartrad und seiner Frau Lukard („Friderico dicto Hartdrat et uxori sue Lucen“) in Erbpacht gegeben. Als Zins lieferten die Eheleute jährlich 40 Malter Winterweizen (Roggen), 20 Malter Sommerweizen, einen halben Malter Mehl, vier Lämmer und 13 Pfund Heller, zahlbar je zur Hälfte am Michaels- und am Walpurgistag. Dieser verhältnismäßig hohe Pachtzins bezog sich allerdings nicht auf die Mühle allein, sondern auch auf andere Güter der Deutschherren in Dieburg, welche Friedrich und Lukard Hartrad aus ihrem eigenen Besitz noch weiter vermehrten: Schon 1296 vermachten sie dem Orden zur Pietanz eine halbe Hufe Landes, von der die Sachsenhausener Kommende 7½ Morgen beim Tod des einen, weitere 7½ Morgen beim Tod des anderen Ehegatten erhalten sollte; 1314 verkauften beide dem Orden eine Erbrente von 6 Pfund Heller jährlich auf ihren Dieburger Liegenschaften; 1316 schließlich veräußern sie um einen Preis von 35 Pfund Heller ihren eigenen Hofplatz samt Gebäuden neben der Mühle Kistelberg, dazu die Besserung der Mühle und ihres Zubehörs, was darauf schließen läßt, daß Friedrich und Lukard in der Zwischenzeit wertsteigernde Bau- und Instandsetzungsarbeiten an dem gepachteten Anwesen hatten durchführen lassen.

In der Urkunde von 1316 finden wir auch einen Sohn Rutzo (= Rudolf), der 1334 als Rulmann Hartrad testierte und in letzterem Jahr ebenfalls das Schöffenamt in Dieburg bekleidete. 1325 wurde der Mühle die noch von den Münzenberg an die Vorbesitzer verliehene Schatzungsfreiheit bestätigt. Nach Beständnisbriefen aus dem Jahr 1326 sowie dem Frühjahr 1329 hatte zu diesem Zeitpunkt ein weiterer „son etswenne Frideriches genant Hartrad“ (1329), Heilmann (Heinrich) Hartrad, mit seiner Frau Gerhus auf dem Steinweg die Mühle Kistelberg in Erbpacht übernommen, wofür sie dem Deutschen Orden jährlich 45 Malter Korn, ein Fasnachtshuhn und fünf Pfund Heller Zins entrichteten. Es ist wohl zutreffend, die Besitzung Kistelberg mit dem sog. Mühlgut des Deutschen Ordens in Dieburg zu identifizieren, für das ebendiese Abgaben zu zahlen waren. Es umfaßte (zu einem mir nicht bekannten Datum) 89 Morgen Ackerland, 13 Mannsmahd Wiesen sowie einen „Hof im Monefeld, genannt der Hubhof mit mehreren Gärten vor der Stadt, die der Erbpächter bewohnte“ (Mönfeld war wie Holzhausen/Steinweg und Altenstadt einer der alten Vororte Dieburgs). 1329 wird der Umfang der zur Mühle gehörenden landwirtschaftlichen Güter, der sich ausweislich der fälligen Abgaben offenbar seit 1296 etwas verringert hatte, mit 71 Morgen Ackerland und 15 Mannsmahd Wiesen angegeben, „mit der schirnen gelegen in der stad“. Als Sicherheit setzte Heilmann eine ihm schon gehörende, „Kymen gud“ genannte Viertelhube in Dieburg mit 17½ Morgen Äckern und 1½ Mannsmahd Wiesen; darüber hinaus bürgten für ihn mit eigenen Besitzungen sein Schwager Heilmann „of dem Steynwege“ (ein Mitschöffe Rulmanns 1334) sowie Culmann (Konrad) Hartrad, wohl ein weiterer Bruder, und zwar Heilmann mit einer Dreiviertelhube zu 39½ Morgen Feldern und 5½ Mannsmahd Wiesen, Culmann mit einer Viertelhube zu 13 Morgen Feldern und zwei Mannsmahd Wiesen. Nachdem die Mühle den Eltern Friedrich und Lukard auf beider Lebenszeit vergeben war, wird nicht nur Friedrich, sondern auch seine Frau 1326 bzw. 1329 bereits verstorben gewesen sein. Dafür spricht außerdem, daß Culmann Hartrad für 1325 als Dieburger Schöffe bezeugt ist; sofern nicht Vater und Sohn gemeinsam auf der Schöffenbank saßen, sondern das Amt (wie damals allgemein üblich) innerhalb der Familie weitergegeben wurde, wäre das Todesjahr Friedrichs somit schon 1325 oder früher anzusetzen.

In den Umkreis der Dieburger Hartrad ist ferner vielleicht der seit 1327 bezeugte kurmainzische Keller Hartrad von Dieburg zu zählen, der 1344 über den Bau eines Turmes an der erzbischöflichen Burg abrechnet. Dieburg gehörte seit Anfang des 14. Jahrhunderts vollständig zum Mainzer Hochstift, das hier schon im 13. Jahrhundert Rechte erworben hatte. Im Unterschied zum Vogt, der meist dem Niederadel angehörte, stammte der Keller, der für den Ortsherren die Finanzverwaltung zu besorgen hatte, oft aus dem Bürgertum des jeweiligen Amtsortes. In diesem Fall ist aber nicht sicher zu sagen, ob ‚Hartrad‘ als Vor- oder Zuname gebraucht wird.

Die Linie der Hartrad zum Laderam in Frankfurt

Culmann Hartrad von Dieburg begegnen wir in den 1330er- und 1340er-Jahren gemeinsam mit seiner Frau Hilde oder Hille Hartrad (= „Hille Kolman“, „Hille Culmann“, „Frawe Hille von Dyp[ur]g“ ) wiederholt als Käufer verschiedener Gülten in der Dieburger Gegend: 1335 gab Ritter Hermann Aumann dem „Culman Hartdrade“ und „Hillen sin elichen frauwen“ auf acht Jahre 25 Malter Korn- und zehn Malter Weizengülte zu Reinheim (südlich von Dieburg an der Bergstraße), die er von Graf Wilhelm von Katzenellenbogen innehatte; 1340 erhielten die beiden eine Pfenniggülte von 7 Pfund Heller zu Sickenhofen und eine von 1 Pfund Heller zu Hergershausen (heute zwei Ortsteile von Babenhausen) von Oswald, Johann und Hermann Groschlag, die Sickenhofen und Hergershausen als hanauische Lehen besaßen, schließlich 1345 eine Gülte zu „Ziegelhard“ (= Zeilhard, heute zu Reinheim) vom Ritter Hartmann von Zwingenberg. 

Der Lebensmittelpunkt der Familie scheint sich in jenen Jahren aber von Dieburg nach Frankfurt verlagert zu haben. Schon 1317 wird dort der Weinschröter Heilo Hartrad („Heilo Hartradus sartor vini“) erwähnt, bei dem es sich vielleicht um Culmanns Bruder, den Mühlenpächter Heilmann Hartrad handelte. Die Schröter waren für die Verladung der zu Schiff ankommenden Weinfässer und den Transport in die Keller der Stadthäuser zuständig; an der Schiffsanlegestelle vor St. Leonhard, wo die Fracht mit Kränen an Land gesetzt wurde, entstand der Weinmarkt. Die Hartrad hatten, zumindest später, Immobilien in diesem Bereich der Stadt, nämlich in den Jahren 1354 bzw. 1366 ein oder zwei Häuser am Kornmarkt, seit etwa 1369 das dortige Haus zum Heiligenstein, seit mindestens 1387 das ebenfalls hier gelegene Haus zum dürren Baum sowie seit 1398 das Haus Altenburg (Aldenburg, Alteburg) gegenüber der Leonhardskirche.

1341 wird ein [N.N.] Hartrad von Dieburg (wohl Culmann) in Frankfurt erwähnt; 1353 amtiert Culmann als Schultheiß Ulrichs III. von Hanau in Hayn (Dreieichenhain). 1357 ist er wohl verstorben, vielleicht an der Pest, die 1349 und 1357 die Frankfurter Gegend heimsuchte; denn am 17. August 1357 erlangte Culmanns Frau Hille für sich selbst das Bürgerrecht der Stadt Frankfurt und wurde, nachdem sie geschworen hatte, als „Hylle Hartraden von Dypurg“ ins Bürgerbuch eingetragen. Möglicherweise ist dies ein Hinweis darauf, daß Culmann bei seinem Tod noch in hanauischen Diensten stand und seine Witwe nun nach Frankfurt zurückkehrte. Schon im Juni bzw. November des Jahres 1357 hatte Culmanns Tochter, die Begine Liebel Hartrad von Dieburg („Liebel Hartradin von Dypurg“), für 2.000 Mark das Haus zum Laderam am Frankfurter Römerberg von den Erben Gerlachs zum Hohenhaus gekauft und es ihrer Mutter Hille auf Lebenszeit zur Wohnung übergeben. Mit dem Haus Laderam hatte die Familie eine repräsentative Liegenschaft erworben: direkt an das Haus zum Römer stoßend (das seit 1405 Rathaus der Stadt und später Beratungsort der Kurfürsten bei der Königswahl war), diente es wiederholt dem Kaiser als Wohnung, wurde 1495 Sitz der ‚Adeligen Ganerbschaft des Hauses Alten-Limpurg‘, nach der es fortan benannt wurde, und ist seit dem Verkauf an die Stadt 1878 selbst Teil des Frankfurter Rathauses, des ‚Römers‘. Es gehört heute zu den wenigen im Kern mittelalterlichen Gebäuden Frankfurts, die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs rekonstruiert wurden und eine Ahnung vom historischen Gesicht der Stadt geben.

Von Liebels Geschwistern kennen wir Jutte, Hans und Else. Jutte Hartrad von Dieburg, nach ihrem Haus auch Jutte zum Laderam genannt, war 1357 mit dem Patrizier Dietwin zum Römer verheiratet, einen Bruder Gottfrieds und Sterkils zum Römer. Von den Kindern, die Jutte mit Dietwin hatte, ist mir keines sicher namentlich bekannt. 1363 war Jutte in zweiter Ehe Frau des Eliseus Weiß von Limburg (Eliseus zum Laderam), eines Sohnes des Reichsschultheißen Rulmann Weiß und der Clara Knoblauch. Aus der Ehe des Hans Hartrad („Hanczil Hartrad“, „Hanczel Culmann“ ) mit Yde ging eine Tochter Hille Hartrad von Dieburg hervor, die mit Jeckel Knoblauch (Jakob Knoblauch dem Jungen) verheiratet war, einem Sohn des reichen Patriziers und Bürgermeisters Jakob Knoblauch und Schwager des Reichsschultheißen Siegfried zum Paradies; Jeckel war Frankfurter Schöffe, wurde aber 1396 wegen Anstiftung von Bürgerunruhen abgesetzt. 

Else Hartrad schließlich war 1357 mit Heinrich zum Culmann verheiratet (das Haus zum Culmann ist das spätere Haus zur Goldenen Waage am Markt; es trug seinen Namen seit Anfang des 14. Jahrhunderts nach einem Goldschmied Conrad oder Culmann); dieser Heinrich soll nach Friederichs (Die Cöllner zum Römer) mit einem 1357 genannten Heinze zum Waldeck zu identifizieren sein, dessen Witwe Else Hartrad 1380 gewesen sei (das Haus zum Waldeck stand am Krautmarkt, nicht weit vom Haus zum Culmann). Allerdings lebte dieser Heinz zu Waldeck / Heinrich zu Waldecken noch 1380, 1384 und 1387 (s. u.). Sofern es sich bei Heinrich zum Culmann und Heinrich zu Waldecken nicht um verschiedene Personen handelt, mag bei Friederichs auch ein Lesefehler vorliegen: denn Dietz (Frankfurter Handelsgeschichte) erwähnt einen 1357 erstmals bezeugten, aber erst 1390 (nicht 1380) als verstorbenen bezeichneten Heinzchen Hartrad zu Waldeck (I.) aus Dieburg am Frankfurter Krautmarkt, der ‚Gadenmann‘, d. h. Tuchhändler war und ein Vermögen von 4.200 Pfund Heller versteuerte. Die Gadenleute bildeten damals die Spitze der Kaufmannschaft; ihre Verkaufsstände befanden sich unweit des Krautmarktes ‚unter den Tuchgaden‘. Da der Patrizier Adolf Knoblauch Heinzchen Hartrads Schwiegersohn war, handelt es sich bei Adolfs erster Frau Elisabeth wohl um Heinzchens Tochter. Sofern Heinrich zu Waldecken mit Heinzchen Hartrad zu Waldeck personengleich ist, wäre ein im Frankfurter Einwohnerverzeichnis von 1387 genannter Adolf zu Waldecken, Sohn des Heinrich zu Waldecken, als weiteres Kind Elses und Heinrichs und somit als Angehöriger der Dieburger Hartrad anzusehen. Das gilt auch für einen zweiten, wohl 1427 verstorbenen Heinze Waldeck von Dieburg (II.), dessen Kinder wiederum nach seinem Tod unter der Vormundschaft des Heinz zum Römer standen; letzterer ist, da er als „nächster ‚Magen und Freund‘“ seiner Mündel bezeichnet wird, als ein naher Verwandter des Heinze Waldeck zu betrachten, vielleicht als ein Sohn Juttes und Dietwins. Möglicherweise gehören zur Nachkommenschaft dieses Zweiges auch ein Johannes Waldeck von Dieburg, der seit 1437 in Erfurt studierte, sein Namensvetter Johannes Waldeck von Dieburg, der sich 1464 in Erfurt immatrikulierte, ein Ludwig Waldeck, der zwischen 1474 und 1487 als Frankfurter Stadtschreiber genannt wird, sowie ein namensgleicher Ludwig Waldeck aus Frankfurt, der 1485 in Erfurt, 1487 in Heidelberg als Student eingeschrieben war. 

Von den weiteren Geschicken der Geschwister Liebel, Jutte, Hans und Else Hartrad erfahren wir zwischen 1357 und 1387 noch des öfteren anläßlich zahlreicher Besitzveränderungen am Haus Laderam. Gemäß der Vereinbarung zwischen Liebel und ihrer Mutter Hille sollte das Haus nach Hilles Tod zu gleichen Teilen an ihre vier Kinder sowie deren Ehepartner fallen. Da Jutte Hartrad bereits 1372 mit dem Beinamen ‚zum Laderam‘ vorkommt, als sie für ihre Kinder dem Gottfried zum Römer das Viertel einer Gülte auf dessen Haus abkaufte, war Hille Hartrad, die 1369 noch genannt wird, in diesem Jahr wohl schon tot und ihr Erbe unter die Geschwister aufgeteilt. Hans scheint 1380 gestorben zu sein, da am 31. März dieses Jahres seine Tochter Hille und deren Mann Jeckel Knoblauch ihr ererbtes Viertel um 675 kleine schwere Gulden an Jutte und Liebel gaben, von denen Else und Heinrich zu Waldecken noch am selben Tag ein Drittel des Viertelanteils für 225 Gulden erwarben, sodaß das Haus nun den drei Töchtern Culmanns zu je einem Drittel gehörte. 1387 veräußerten Else und Heinrich ihren Anteil für 800 kleine schwere Gulden an Jutte, die damit Eigentümerin des gesamten Hauses geworden zu sein scheint. Vielleicht war inzwischen also auch die Schwester Liebel gestorben, die 1384 noch einige von ihrer Mutter stammende, von dieser für ein Seelgerät bestimmte Güter als Legate an Jutte, Else und Heinrich überschrieben hatte. Else scheint später nach Köln gezogen zu sein; Jutte wiederum wird in einer Urkunde von 1399 als bereits verstorben erwähnt; tatsächlich aber dürfte ihr Tod noch um einiges früher anzusetzen sein, da 1397 ein Henne Frosch Anteile am Haus Laderam besaß, die er von seiner ersten Frau Clara (einer Tochter Juttes?) geerbt hatte und nun an seinen Schwager, den Alten-Limpurger Patrizier Heinrich Schwarz von Friedberg verkaufte.

Die Linie des Frankfurter Bürgermeisters Erwin Hartrad

Durch ihre Verwandtschaft und Verschwägerung mit einigen der wichtigsten Frankfurter Patrizierfamilien des ausgehenden Mittelalters waren die Hartrad in eine gesellschaftliche Position gelangt, die eine zweite Linie der Familie gegen Ende des 14. Jahrhunderts auch politisch zu nutzen verstand. Besonders die mehrfache Verbindung zu den Knoblauch, einem der ältesten Frankfurter Geschlechter, wird dabei nicht von Nachteil gewesen sein: Jakob Knoblauch – der Schwiegervater von Hans Hartrads Tochter Hille und wohl auch von Else Hartrads Tochter Elisabeth, zudem Großonkel von Jutte Hartrads zweitem Mann Eliseus Weiß – war nicht nur einer der damals reichsten Bürger der Stadt, sondern verfügte auch über herausragende politische Kontakte; seit 1333 besaß er den Saalhof, die alte staufische Frankfurter Königspfalz, und Kaiser Ludwig der Bayer, der bei seinen Besuchen in Frankfurt des öfteren bei ihm wohnte, machte ihn 1334 ebenso zu seinem Hofdiener wie 1349 Kaiser Karl IV. Jakobs Schwiegersohn wiederum, Siegfried von Marburg zum Paradies – Hilles und Elisabeths Schwager –, war eine Generation später die bedeutendste Persönlichkeit der Reichstadt; 1366 löste er das bis dahin an die Herren von Hanau verpfändete Frankfurter Reichsschultheißenamt aus, trat den Besitz 1372 an die Stadt ab und kann somit als Begründer der bis 1806 währenden Unabhängigkeit Frankfurts gelten. 

Als ersten Angehörigen des zweiten Frankfurter Zweiges der Familie Hartrad finden wir um die Mitte des 14. Jahrhunderts Erwin Hartrad zum Dorrenbaum, der sich mit einem Vermögen von 6.100 Pfund Heller zu den wohlhabendsten Bürgern der Stadt zählen konnte; im Beedebuch von 1354 steht er unter den Steuerzahlern an 21. Stelle. Sein Haus zum dürren Baum (das spätere Stammhaus der Patrizierfamilie Monis) stand an der Einmündung der Falkengasse in den Kornmarkt, die heutige Buchgasse, unweit St. Leonhard. Im Jahr 1346 testierte Erwin Hartrad eine Urkunde, mit der die Frankfurter Bürgerin Else Schwalbächer umfangreiche Güter in Gronau, nördlich zwischen Frankfurt und Hanau in der Wetterau gelegen, erwarb (Else Schwalbächer war mit dem Schöffen Gerlach vom Hohenhaus verheiratet, dem Vorbesitzer des Hauses Laderam, s.o.). 1358 lieh Erwin dem Johann von Falkenstein-Münzenberg 40 Gulden Frankfurter Währung; 1366 übergaben Erwin und seine Frau Agnes ihr Haus am Kornmarkt an Henne Drutmann, den Ehemann ihrer verstorbenen Tochter Katherine. Eine weitere Tochter, Hebel († nach 1417), war 1389 mit Werner Faut von Monsberg verheiratet. Ein Henne Hartrad, der im Frankfurter Einwohnerverzeichnis von 1387 als kremer aufgeführt ist (was unterschiedslos sowohl den Kleinhändler wie den Handelsmann bezeichnete), könnte ein Sohn Erwins zum Dorrenbaum gewesen sein. 

Erwin Hartrads gleichnamiger Sohn, der als Erwin Hartrad der Junge siegelt, erscheint erstmals im Frankfurter Einwohnerverzeichnis von 1387. 1393 verkauft er eine Ewiggülte von ½ Mark, die er von seinem Vater geerbt hatte (der also möglicherweise in diesem Jahr verstorben war). 1391 und 1392 findet sich außerdem ein weiterer Erwin Hartrad als Schaffner zu St. Kathrinen, der entweder mit Erwin d. J. personengleich ist oder aber dessen älterer Bruder gewesen sein mag.

Zu dieser Zeit begann die politische Karriere Erwin Hartrads d. J., der seit 1392 als Frankfurter Ratsherr erwähnt wird. Der Rat der Stadt war damals in die drei Bänke der Schöffen, der Jungherren und der Zünfte geteilt. Zutritt zur ersten und zweiten Bank, deren Sitze nicht durch Wahl, sondern durch Selbstergänzung vergeben wurden, hatten nur die Mitglieder der ‚Gemeinde‘: die nicht zunftmäßig organisierten Bürger (zu denen auch Erwin Hartrad zum Dorrenbaum und sein Sohn gehörten), in der Hauptsache also die vermögenden Grundbesitzer und Handelsleute. Aus den Reihen der Jungherren wurden im Regelfall die Mitglieder der Schöffenbank genommen, die nur einer kleinen Anzahl auf sozialen Abschluß bedachter patrizischer Geschlechter offenstand, sodaß die dritte Bank der Handwerker kaum politisches Gewicht entwickeln konnte. Der Druck der wirtschaftlich erstarkenden Zünfte führte seit 1355 zu vorübergehenden Reformen, 1364/65 sogar zu einem Handwerkeraufstand, maßgeblich befördert durch den Reichsschultheißen Heinze im Saale und den Wollweber Andreas Heilegeist, der es bis zum Bürgermeister gebracht hatte. Auf der patrizischen Gegenseite stand in diesen Jahren insbesondere Siegfried zum Paradies, der vom Kaiser schon 1366 eine Unterdrückung aller demokratischen Bestrebungen und die vollständige Wiederherstellung der alten Verhältnisse erreichte. Trotz gewisser Zugeständnisse des Patriziats an die Handwerker, vor allem nach der Niederlage Frankfurts im Süddeutschen Städtekrieg 1389, blieben alte Mißstände bestehen: so weigerten sich die patrizischen Geschlechter nach wie vor, erledigte Schöffenstellen, die sie als Familienpfründe ansahen, neu zu besetzen, solange kein Nachfolger aus der eigenen Familie zur Verfügung stand; stattdessen ließ man den Schöffenstuhl vakant, bis ein geeigneter Kandidat volljährig geworden war. Im Jahr 1395 waren auf diese Weise von 14 Schöffenstellen nur neun vergeben, was König Wenzel veranlaßte, gegen den Widerstand der reaktionären Partei im Rat die sofortige Besetzung der fünf freien Plätze auf der Schöffenbank anzuordnen.

Da Erwin Hartrad seit März 1395 als Frankfurter Schöffe urkundete, darf man annehmen, daß er zu den fünf auf königlichen Befehl ins Schöffenamt eingeführten Ratsherren gehörte. 1398 wird er bei Verhandlungen Frankfurts mit den Städten Friedberg und Gelnhausen als Mitglied des Frankfurter Landgerichts genannt („Erwin Hartdrat, unser myddescheffin und ratgeselle, der in lantgerichte phliget zu siczen“); im selben Jahr war er stellvertretender Bürgermeister (für Gerbrecht von Glauburg oder Konrad Weiß), in der Amtsperiode 1400/1401 dann Vertreter des Heinrich Weiß zum Weißen als Zweiter (Jüngerer) Bürgermeister. Als der Rat der Stadt im Jahr 1401 den Beschluß faßte, das baufällig gewordene alte Rathaus am Dom durch einen Neubau am Römerberg zu ersetzen, berief er Erwin Hartrad d. J. zum Baumeister, der die Planungen vorantreiben sollte. Tatsächlich wurde noch im selben Jahr ein Modell gefertigt und eine Schiffsladung Steinquader aus Miltenberg beschafft. Schon wenig später scheint man das Vorhaben allerdings fallengelassen zu haben; im Stadtrechenbuch sind seit 1402 nur mehr kleinere Ausgaben für das Projekt verzeichnet, und 1405 hatte man mit dem Ankauf des Hauses zum Römer und seinem Umbau zum Sitzungslokal eine kostengünstige Alternative gefunden.

1402 wurde Erwin zum Ersten (Älteren) Bürgermeister der Reichsstadt Frankfurt gewählt; in seine einjährige Amtszeit fällt die Gründung des ersten Frankfurter Bankhauses, des ‚Wessils‘, durch den Rat der Stadt. In der Folgezeit vertrat Erwin die Stadt Frankfurt mehrmals als Gesandter auf Reichsversammlungen; 1404 ist er, zusammen mit dem Ratsherrn Clas Landskron, der erste namentlich bekannte Pfleger der Nikolai-Kirche am Römerberg. 1408 wird er gleich nebenan die erste Stadtratssitzung im neubezogenen Rathaus miterlebt haben. Im Dezember dieses Jahres sowie von Januar bis März 1409 fungierte er als stellvertretender Reichsschultheiß (für Rudolf von Sachsenhausen) und urkundet noch bis November 1409 als Schöffe. Da im Januar 1411 das Haus des verstorbenen Erwin Hartrad am Viehmarkt (heute die Zeil) in der Frankfurter Neustadt erwähnt wird, fällt Erwins Tod wohl ins Jahr 1410.

Von einer namentlich nicht bekannten Ehefrau aus der Patrizierfamilie der Faut von Monsberg hatte Erwin d. J. eine mit Henne Frosch verheiratete Tochter Adelheid (Elchin, † nach 1410, vor 1424). Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1438 vererbte sich ihr Nachlaß, für den Henne Frosch das Nutznießungsrecht besessen hatte, an Adelheids nächste Angehörige: Eberhard von Praunheim (aus alter Ritter- und Reichsschultheißenfamilie) mit seiner Frau Meckel, die Patrizier Herman Appenheimer (aus einer der reichsten Familien Frankfurts ) mit seiner Frau Grede und Henne Brun gen. Faut mit seiner Schwester Elschin sowie die Bürger Tiel und Meckel Ruting von Kaldebach, Heinrich und Grede Eber von Miltenberg, Heinrich und Anne Ziegeler von Miltenberg und Kathrine, Witwe des Michel von Windsbach. Schon im Mai und im Juni 1438 hatten die Erben Adelheids aus den ihnen zugefallenen Gütern Verkäufe getätigt, sodaß sich der Besitz der Verstorbenen wenigstens in Teilen rekonstruieren läßt. Demnach hatten die Eheleute Ruting, Eber und Ziegeler sowie Kathrine von Windsbach erhalten: ½ Morgen Gartenland in der Lindau, neben einem gewissen Rupelhenne, 2½ Morgen Wiesen in der Lindau zwischen Herman Appenheimer und dem Metzenhenne, 3 Morgen weniger 1 Viertel Wiesen zu Ginnheim, genannt die gemeine Wiese, zwischen Herman Appenheimer und der Viehweide, sowie 1½ Morgen und 12 Ruten Wiesen zu Ginnheim jenseits des Bachs; Käufer war für 148 Gulden Henne Brun gen. Faut. Eberhard von Praunheim und seine Frau verkauften einen Monat später, vielleicht also auch aus dem Nachlaß Elses, noch 20 Gulden Gülte zu einem Preis von 400 Gulden an Gerbracht von Glauburg. Zum Erbe gehörte ferner das Haus Altenburg, gegenüber der Kirche St. Leonhard, das im Jahr 1398 Adelheids Vater, Erwin d. J., für 80 Pfund und vier Schilling Heller von den Brüdern Adolf und Junge Weiß gekauft hatte.

Aus einer zweiten Ehe Erwins d. J. stammte der Sohn Henne Hartrad, der seit 1412 genannt ist, aber 1438 bereits verstorben sein muß, da er nach dem Tod seines Schwagers nicht zu den Nacherben seiner Schwester Adelheid gehörte. Zum Vormund Adelheids war 1410, nach dem Tod Erwins d. J., ein anderer Henne Hartrad, gen. Krone bestellt worden – wohl ein Bruder Erwins, der die Pflegschaft zusammen mit Idel Drutmann sowie Else und Herte Brun, gen. Faut von Monsberg ausübte. Dieser Henne – vielleicht derselbe, der schon im Einwohnerverzeichnis von 1387 als Weber erscheint – kauft 1430 mit vielen andern mehrere Gaden im alten Weberkaufhaus, im Jahr darauf ist er als Wollwebermeister erwähnt. Der Beiname Hennes - Krone - kann sich auf das Haus zur Krone am Kornmarkt ebenso beziehen wie auf eines der Häuser zum Kranich (kron, krone) am Römerberg bzw. am Roßmarkt.

Nicht ganz klar ist die verwandtschaftliche Zuordnung einer Elheit (Adelheid) Hartrad. Im März 1379 führten der Dominikanerprediger Peter (Dufel) und seine Schwester Christine Klage gegen sie wegen des Hauses zum Heiligenstein am Kornmarkt, das sie als ihr vermeintliches Erbe herausforderten; Elheit erwiderte, sie habe das strittige Haus noch zu Lebzeiten ihres Mannes an die fünf Jahre und ebensolang auch nach dessen Tod besessen, ohne daß jemand rechtliche Ansprüche darauf erhoben hätte; die Klage wurde abgewiesen. Im Juni 1379 werden dann Heintze zu der Leiter und seine Frau Alheid (= Elheit Hartrad?) als Eigentümer des Hauses erwähnt; als Schwester Alheids erscheint in derselben Urkunde eine Katharina, Tochter des Nyclaus Hartunch (es handelt sich wohl um den Bäcker und Ratsherrn Klaus Hartung). Im März des darauffolgenden Jahres (1380) ist das Haus Heiligenstein schließlich im Besitz der Geschwister Henne Milwer, Jost Milwer und Katharina Hartrade, den Kindern des verstorbenen Jacob Milwer, die es an Irmel Gulde verkaufen. Sowohl Elheit (geb. Hartung?) als auch Katharina (geb. Milwer) scheinen demnach in die Familie Hartrad eingeheiratet zu haben, wobei der genaue Erbgang des Hauses dennoch Rätsel aufgibt.

Verwirrend kommt hinzu, daß auf dem Kornmarkt, also in unmittelbarer Nachbarschaft des Hauses Heiligenstein, zwischen 1317 und 1336 ein Bäcker Hartrad mit seiner Frau Jutta bezeugt ist, der mit der Dieburger Familie nicht in Beziehung steht, von dem aber wohl der Bäcker Klaus Hartung und seine Tochter Elheit Hartrad abstammen. Denn zur Familie des Bäckers Hartrad gehörte außer den Söhnen Hartrad („Hartdradus filius Hartdradi uf dem Kornmergthe“), Wortwin und Konrad („Wortwinus et Conradus fratres, filii Hartradi in foro frumenti“) sowie einem Drutmann, genannt der Blinde („Hartrado in foro Frumenti, Drutmanno genero eiusdem“, 1318) und einem Hermann („Hermannus gener. Hartradi pistoris“) auch ein Hartung („Hartungus gener. Harttradi pistoris“, 1317), der 1340 als Hartung Becker auftritt

Diese Umstände sowie die zahlreichen Besitzungen Erwin Hartrads d. J. und seiner Angehörigen rund um den Kornmarkt haben Johann Karl von Fichard, den Chronisten des Frankfurter Patriziats, darauf gebracht, in seiner Frankfurter Geschlechtergeschichte die Erwinsche Linie als eigene, mit den Dieburger Hartrad nicht verwandte Familie zu behandeln. Gegen Fichards Ansicht aber sprechen eine Reihe von Argumenten, die er zum Teil sogar selbst referiert. In der Tat kann Erwins Vater, Erwin zum Dorrenbaum, kein Sohn Culmann Hartrads gewesen sein, da er bei den Erbschaftsangelegenheiten um das Haus Laderam nicht erwähnt wird. Als Neffe Culmanns aber käme er durchaus in Betracht, sei es über Rulmann, sei es über Heilmann Hartrad, die Fichard beide nicht kennt. Einen Beleg dafür bietet eine von Fichard zitierte Frankfurter Akte des Jahres 1360, in der Henne Drutmann (der Mann von Erwins d. J. Schwester Katharine Hartrad) als Schwager Ditwins zum Römer (des Mannes der Jutte Hartrad zum Laderam) bezeichnet ist. Fichard stellt dazu fest, daß als Schwager jeder Verwandte von Seiten der Ehefrau gelten konnte, und schließt daraus zunächst auf eine Zugehörigkeit Katharines bzw. Erwins zu den Dieburger Hartrad; später relativiert er diese Aussage mit der Bemerkung, die Schwägerschaft könnte auch auf anderem Wege zustandegekommen sein, ohne freilich Quellen vorzulegen, die dies wahrscheinlicher machen würden als die Annahme einer Stammverwandtschaft des Culmannschen und des Erwinschen Zweiges. Ein weiteres Indiz ist dem Frankfurter Einwohnerverzeichnis von 1387 zu entnehmen. Da die Namen hier zumindest teilweise nach den Wohnorten ihrer Träger geordnet sind, läßt sich anhand der Liste eine ungefähre Vorstellung von den Nachbarschaftsverhältnissen in der Stadt gewinnen. Insofern ist es aufschlußreich, direkt unter dem Eintrag „Erwin Hartrad“ (d. J.) folgende Namen zu lesen: Conrad Kyme, Henne Sickenhofen, Richard budeler von Dippurg. Bei allen drei Personen gibt es einen Bezug zur Dieburger Gegend: bei Richard Budeler ist er ganz offensichtlich; Henne Sickenhofen wiederum führt seinen Zunamen nach einer Ortschaft nahe Dieburg, in dem Culmann Hartrad Besitzungen hatte; und den Namen Kyme kennen wir bereits vom Dieburger Kymen-Gut, das Culmanns Bruder Heilmann gehörte (s.o.). Es ist nicht abwegig, hierin einen Hinweis darauf zu sehen, daß auch die Familie Erwins Verbindungen in den Dieburger Raum hatte, die nach dem Umzug ins nahe Frankfurt nicht ganz abgerissen waren. Dieses Bild vervollständigt sich durch einen Währschaftsbrief aus dem Jahr 1419: Henne Hartrad, der Bruder Erwins, verpachtet als Vormund seiner Nichte Adelheid (Elchin) aus deren Besitz ein Backhaus in der Frankfurter Fahrgasse für einen Erbzins von jährlich 2 Gulden und 4 Schillingen an Bechtold Steindecker aus Münster; gemeint ist hier wohl Münster bei Dieburg, wo Friedrich Hartrad seit 1296 die Mühle Kistelberg (Münstermühle) besaß.

Im übrigen steht außer Frage, daß die Dieburger Hartrad in mehr als einer Linie in Frankfurt ansässig waren: denn zumindest der nachweislich aus Dieburg stammende Heinzchen Hartrad zu Waldeck (s.o.) kann als Ehemann Elses zu Waldecken, der Tochter Culmann Hartrads, nicht selbst dem Culmannschen Zweig angehören. Auch bei einem im Nekrolog des Bartholomäusstifts genannten Johannes Hartradi de Dyppurg“ ist fraglich, ob man ihn mit Culmanns Sohn Hans identifizieren kann, der in Urkunden nur als „Hanczil Hartrad“ oder sogar „Hanczel Culmann“ erscheint; es könnte sich vielmehr um einen der Hennes aus dem Erwinschen Stamm handeln. Eindeutig nicht zur Nachkommenschaft Culmanns, sondern eher zu den Söhnen Erwins d. J. zu rechnen ist ein Heinrich Hartrad von Dieburg („Henricus Harttradi de Dyppurg“); als Enkel oder Urenkel Culmanns und Hilles hätte er bei den das Haus Laderam betreffenden Immobiliengeschäften berücksichtigt werden müssen. Wir finden ihn 1389, als er sich während des Rektorats des Wormser Magisters Heilmann Wunnenberg an der nur drei Jahre zuvor gegründeten Universität Heidelberg immatrikuliert. Möglicherweise ist er personengleich mit einem „Henricus Hartrodi“, der seit 1393 in Wien studierte und in der dortigen Matrikel der „Nacio Rynensium“ zugerechnet wird. Die 1386 errichtete Heidelberger Universität nämlich hatte, bedingt durch den Süddeutschen Städtekrieg sowie den Ausbruch der Pest, bereits 1388/89 eine erste Krise zu bewältigen, die zu einem Rückgang der Immatrikulationszahlen und zum Wegzug zahlreicher Universitätsmitglieder führte. Die meisten Magister und Scholaren gingen an die 1389 eröffnete Universität Köln; denkbar wären als Ausweichorte aber auch Prag und Wien, zumal aus diesen beiden Städten (neben Paris) ein Großteil des ersten Heidelberger Lehrpersonals rekrutiert worden war. 

Kleriker der Diözese Mainz

Da sowohl Dieburg als auch Frankfurt im Mittelalter zur (freilich sehr großen) Mainzer Erzdiözese gehörten, sind in den Umkreis der Frankfurter Hartrad vielleicht auch noch drei Mainzer Kleriker dieses Namens aus dem 14. und 15. Jahrhundert zu rechnen: Hermann Hartradi, der im Juli 1363 und im Januar 1369 in Regensburg als Notar zwei kirchliche Urkunden beglaubigt; ein weiterer, mit dem ersten kaum personengleicher Hermann Hartrad, der 1424 als Priester an St. Peter im hessischen Fritzlar bzw. an SS. Maria und Sebastian in Naumburg (bei Fritzlar) nachgewiesen ist; schließlich ein Johannes Hartrad, 1429 und 1430 ebenfalls Kleriker an der Fritzlarer Peterskirche.

Die Marburger Hartrad

Eine zweite bürgerliche, vielleicht patrizische Familie Hartrad gewinnt im Spätmittelalter in der Marburger Gegend Konturen. Zuerst kommt der Name hier im Jahr 1325 mit Johann Hartradi vor: er ist Zeuge, als Konrad von Wahlen und seine Ehefrau Gertrud dem Kloster Caldern bei Marburg ihre Güter zu Brungershausen verkaufen. Ein Johann Hartradi begegnet auch 1318, 1320 und 1331 als Schöffe zu Neustadt (heute Kreis Marburg-Biedenkopf); ob es sich bei ihm um einen Angehörigen der Familie Hartrad handelt oder aber um einen Sohn des Neustädter Schöffen Hartrad von Momberg, ist nicht sicher zu entscheiden. Öfter findet sich in den Urkunden ein Marburger Bürger Heinz oder Heinrich Hartrad: 1357 bezeugt er einen Landverkauf in Leidenhofen an zwei Nonnen des Klosters Hachborn; 1364 urkundet er als Zeuge gemeinsam mit Johann von Biedenkopf, einem Verwandten des Frankfurter Reichsschultheißen Siegfried von Biedenkopf, gen. von Marburg zum Paradies; 1375 übergibt er dem Kloster Hachborn zu seinem Seelgedächtnis einen Acker in Hachborn, den er selbst von seinem Bruder, dem Marburger Deutschherrn Gottfried Hartrad, gekauft hat, als er schon verwitwet war; in einer Marburger Urkunde von 1384 wird er als verstorben bezeichnet.  

Ein weiterer mutmaßlicher Ast der Familie sind die Hartrad aus Rauschenberg (heute ebenfalls im Kreis Marburg-Biedenkopf gelegen). Heinrich Hartradis von Ruschinberg ist 1355 Bürger zu Kirchhain; vielleicht derselbe Heinrich Hartrad amtiert 1371 als Unterschultheiß zu Rauschenberg, wo sein Bruder Hartrad (!) im selben Jahr Bürgermeister ist. Ein Dietmar Hartrad aus Rauschenberg („Dyetmarus Hartrudis de Rausenperg“) immatrikuliert sich im Oktober 1417 an der Universität Wien.

Aus Alsfeld schließlich, östlich von Marburg gelegen, stammt Johannes Hartrad, der in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ins Alsfelder Augustinerkloster eintritt und 1447 als Prior des Augustinerklosters zu Waldheim (bei Meißen) genannt wird. Eine von ihm stammende, heute in Trier verwahrte Handschrift (Hs SdB 274) belegt seine wissenschaftlichen Interessen. Mit der Urkunde von 1447 übergibt Prior Johannes den Augustinern zu Alsfeld eine Wiese bei der Hellmühle an der Eifa (bei Alsfeld), die schon seinen verstorbenen Eltern gehört hatte und die seine Mutter zu der Zeit, als er selbst dem Alsfelder Konvent beigetreten war, dem Kloster versprochen hatte.

Möglicherweise gehören hierher auch: ein Johannes Harttrut de Homberg, der seit 1446 an der Erfurter Universität studierte, sofern es sich bei seinem Heimatort um Homberg an der Ohm (zwischen Marburg und Alsfeld) und nicht um Homberg an der Efze (südlich von Kassel), Homburg bei Kusel (Rheinland-Pfalz) oder um einen der Orte Homberg im Westerwald, am Bodensee oder in Nordrhein-Westfalen handelt; sowie ein Henne Hartradt, der in einer Urkunde von 1476 im nordhessischen Treysa (bei Schwalmstadt, nördlich von Alsfeld) als ehemaliger Söldner des hessischen Landgrafen Hermann erscheint.

Die Rothenburger Hartrad

Rothenburg ob der Tauber ist die Heimat einer dritten mittelalterlichen Familie Hartrad, die hier zu den Ehrbaren, also den ratsfähigen, patrizischen Geschlechtern gehörte. Eine Verwandtschaft mit den Hartrad aus Dieburg erscheint weder ausgeschlossen noch zwingend. Als vorläufige Hinweise auf eine eventuelle Verbindung mögen die Beziehungen der Rothenburger Hartrad zum Deutschen Orden gelten, die sie mit den Dieburger und Marburger Hartrad teilen, sowie die Tatsache, daß die Hartrad aus Rothenburg Lehnsleute der Herren von Hohenlohe waren, in deren Besitz sich im 14. Jahrhundert zeitweilig die Stadt Dieburg befand. Auch mag das Wappen der Rothenburger Hartrad, drei im Dreipaß gekreuzte Eichelstäbe, ein Verweis auf den Dreieicher Reichsforst um Dieburg, Hayn und Münster sein. In jedem Fall ist die räumliche Mobilität zumindest der bürgerlichen Oberschicht dieser Zeit nicht zu gering zu veranschlagen.

Die Rothenburger Familie wird, sofern man einen 1250 in Rothenburg oder Würzburg genannten Konrad Hartroet nicht hierherzählt, zuerst 1335 mit Heinz oder Heinrich Hartrad faßbar. Er wird in Urkunden auch „der Ältere“ genannt, hatte also entweder einen (sonst aber nicht bezeugten) gleichnamigen Sohn oder aber, im Mittelalter durchaus nicht unüblich, einen jüngeren Bruder dieses Namens (wofür hinsichtlich des Alters theoretisch Heilmann aus der Dieburger Familie in Frage käme). 

Heinrich war, gemeinsam mit seiner Frau Agnes, ein besonderer Wohltäter des Deutschen Ordens, der in Rothenburg die Stadtpfarrkirche zu St. Jakob verwaltete. 1343 errichtet Agnes dort zu ihrem Seelenheil einen Jahrtag und übergibt dem Orden dafür 5 Pfund Heller zum Kauf eines Weingartens bei Detwang. 1346 begründet Heinrich eine tägliche Frühmesse am Johannesaltar zu St. Jakob nebst Unterhalt für einen Ordenspriester und schenkt den Deutschherren hierfür die am Weg nach Detwang gelegene Spitalsmühle sowie 60 Pfund Heller baren Geldes; zu dieser Messe tätigt Agnes 1356, nach Heinrichs Tod, noch eine Zustiftung von 30 Pfund Heller. 1348 zahlen die Eheleute 18 Pfund Heller für ein ewiges Licht in derselben Kirche, nachdem sie dort zu einem früheren Zeitpunkt bereits ein Ewiglicht gestiftet hatten. Vielleicht im Gegenzug zu dieser ersten Stiftung versprechen die Deutschherren den beiden in einer Urkunde von 1339 die Teilhabe an allen guten Werken des Ordens, also Predigten, Gebeten oder Seelenmessen.

Für den Deutschen Orden tritt Heinrich Hartrad d. Ä. auch wiederholt als Zeuge auf. Schon die Urkunde von 1335 hatte einen Landverkauf des Heinrich Schel zu Bütthard an das Deutsche Haus zu Rothenburg zum Inhalt. Im Jahr darauf bezeugt Heinrich den Verkauf der Baumgartenmühle bei Rothenburg an den dortigen Deutschherrenkonvent; Verkäufer ist das überschuldete Deutschordenshaus in Archshofen unter dem Komtur Gottfried d. Ä. von Hohenlohe-Brauneck, dessen Bruder, Gottfried d. J., bis 1310 ein Viertel der Stadt Dieburg besessen hatte.

Rund um Rothenburg, vor allem westlich der Stadt, im Hohenloher Land um Kocher, Jagst und Tauber, kauft Heinrich Hartrad in den Jahren zwischen 1336 und 1351 umfangreichen Landbesitz - gemäß dem ungeschriebenen Gesetz des Rothenburger Patriziats, Grundrenten zu erwerben und sich nicht an Handwerk und Handel zu beteiligen. So gehen 1336 ein Hof, Seldenhäuser, Gärten, Äcker, Wiesen und Wald in Hartradshofen (!), heute Hartershofen, in Heinrichs Besitz über, 1340 dann zwei weitere Höfe im selben Ort (darunter der sog. Storrenhof). 1341 kauft Heinrich Anteile eines Birkenbühel genannten Waldes, 1342 eine Gülte von 10 Pfund Heller vom Rothenburger Johanniterhaus sowie 2 Tagwerk Wiesen in der Mark Stretberg von der Familie Küchenmeister von Nortenberg, 1343 zwei weitere Seldenhäuser zu Hartradshofen, 1344 verschiedene Gülten zu Blumweiler, 1345 Holzrechte in Yrfershoven von den Brüdern Haupt, 1349 mehrere Äcker von den Johannitern, 1351 schließlich einige Güter und Gülten von Konrad und Adelheid von Kurnberg. Interessant ist ein Landkauf aus dem Jahr 1343: Elisabeth, die Witwe Gottfrieds von Hohenlohe, veräußert „den wol bescheiden mannen“ Siegfried Zuckmantel und Heinrich Hartrad, Bürgern zu Rothenburg, für 597½ Pfund Heller ihre Güter in Wermutshausen, Streichental und Rinderfeld, behält sich aber ein 4jähriges Rückkaufsrecht vor. Der Bruder Gottfrieds, ebenfalls Gottfried mit Namen, war 1293-1297 Deutschmeister zu Mergentheim, also zu der Zeit, als der Dieburger Friedrich Hartrad von der dem Mergentheimer Haus unterstellten Kommende Sachsenhausen die Mühle Kistelberg pachtete; über ihre Schwester Agnes waren beide Gottfrieds zudem Onkel Ulrichs III. von Hanau, dessen Schultheiß in Dreieichenhain seit 1353 Culmann Hartrad, der Sohn Friedrichs, war.

Im Frühjahr 1355 scheint Heinrich gestorben zu sein, da seine Witwe Agnes im März 1355 zu seinem Gedenken einen Jahrtag am Rothenburger Johanniterhaus stiftet und am selben Tag um eine Summe von 50 Pfund Heller für sich und ihre Nachkommen ein Siechenbett im neuen Rothenburger Spital kauft. 1357 vermacht sie dem Spital mehrere Güter und Abgaben in Grub, mit der Maßgabe, aus den Einkünften alle 14 Tage den Siechen ein Bad zu bereiten. Agnes wird noch 1359 als Käuferin dreier Güter zu Tiefental genannt, für die sie den beachtlichen Betrag von 266½ Pfund Heller bezahlt. In einer Urkunde von 1372 wird sie als verstorben erwähnt.

Von den Kindern Heinrichs und der Agnes kennen wir mindestens sieben: Anna Hartrad wird 1361 und 1372 als Frau des Edelknechts Konrad Dürr (Durre) genannt, Klara Hartrad 1356 als Frau des Fritz Bernger zu Lauda. Johann Hartrad ist 1360, 1364 und 1367 Deutschherr zu Rothenburg und vielleicht personengleich, vielleicht aber auch der gleichnamige Bruder eines schon 1343 erwähnten Johann Hartrad. Die Witwe eines Wilhelm Hartrad, Vele, stiftet im Jahr 1380 für sich und ihren verstorbenen Mann einen Jahrtag am neuen Spital zu Rothenburg.

Als ein weiterer Sohn Heinrichs d. Ä. erscheint 1352 Sifrid Hartrad; gemeinsam mit seinem Vater sowie seinem Bruder Engelhard Hartrad bestätigt er der Gräfin Irmengard von Nassau die Bezahlung einer Summe von 300 Pfund Hellern, die die Gräfin, eine geborene Hohenlohe, der Familie schuldig war; auch hier ergeben sich vielleicht Beziehungen nach Hessen, insofern Irmengards Mann Gerlach von Nassau seit 1326 Reichsvogt der Wetterau war und nach dem Erlöschen des Hauses Merenberg 1328 die Vormundschaft über die Töchter Hartrads VII. von Merenberg erhielt. 

Engelhard Hartrad wird noch 1364 und 1369 in Rothenburger Urkunden genannt; im Lehenbuch Gerlachs von Hohenlohe ist er im März 1357 als hohenlohischen Lehensnehmer verzeichnet: „Item her Gerlach hat gelihen Engelhart Hartrat den obern hof zu Hartrades hofen, da Walther Hofmann auf sitzt und auch den zehenden daz dritteil da selbst zu Hartrades hofen“. Weitere Güter besitzt Engelhard in Augsteten und Niederstetten, dazu ein Haus in Rothenburg. Aus der Ehe mit einer Tochter des Schweinfurter Bürgers Berthold Salzkestner hatte Engelhard zwei Kinder, Hans und Katharina (Henselin und Ketherlin), die 1364 ihrem Großvater Berthold in Kost gegeben werden, bis sie „zu irn tagen koment“, also: volljährig sind (die Salzkestner waren eine ursprünglich Würzburger Patrizierfamilie: Endres Salzkestner, im 14. Jahrhundert Bürgermeister zu Würzburg, und Georg Salzkestner, 1473—1496 Abt des Würzburger Benediktinerklosters St. Stephan, gehören hierher). Ein Hanns Hartrat, vielleicht der Sohn Engelhards, ist für 1383 in Bütthard (bei Tauberbischofsheim) bezeugt, wo 1362 auch ein Ritter (?), 1375 ein Edelknecht Hartrad von Bütthard (Buttert) genannt wird.

1363, 1364 und 1369 findet sich schließlich Konrad Hartrad, wohl ebenfalls ein Sohn Heinrichs d. Ä., in Rothenburger Urkunden, und zwar 1364 als Zeuge für Engelhard, 1369 als Bürger des Rats (Ratsherr). Sein Siegel zeigt, abweichend von dem seines Bruders Engelhard, eine einzelne, aufrecht stehende Eichel. Um das Jahr 1370 werden Konrad durch das Landgericht Rothenburg die Nutzrechte an verschiedenen Immobilien zugesprochen, deren Eigentümer sich vermutlich verschuldet hatten und nun einen Teil ihrer Besitzungen als Sicherheit herausgeben mußten. Zu den von Konrad übernommenen Gütern gehörten insbesondere die Vesten Bemberg (Bebenburg) und Gammesfeld aus dem Besitz des Wilhelm von Bebenburg. Das Urteil scheint angefochten worden zu sein, da Konrad im November 1370 den Rothenburger Stadtschreiber als seinen Bevollmächtigten zu Kaiser Karl IV. nach Prag schickt, um den Schiedsspruch bestätigen zu lassen. Tatsächlich erlangte Konrad beim kaiserlichen Hofrichter, dem Landgrafen Johann I. von Leuchtenberg, auch die Feststellung seiner Rechte; als Schirmer des Urteils wurden unter anderen der Burggraf zu Nürnberg, die Herren von Hohenlohe sowie die Städte Würzburg, Rothenburg, Dinkelsbühl, Feuchtwangen und (Schwäbisch) Hall eingesetzt. Spätestens 1385 wird Konrad gestorben sein, da seine Tochter Sophia im April dieses Jahres an der Rothenburger Deutschordenskirche einen Jahrtag für ihn und seine (wohl noch lebende) Frau Kathrin stiftet. 1390 errichtet Sophia in derselben Kirche einen Jahrtag für sich und ihren Mann, den aus ritterbürtiger Familie stammenden Herold vom Rein.


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Familien Hartrad im Mittelalter: Stammtafel

Quelle zum Download:
Johann Karl von Fichard genannt Baur von Eysseneck: Hartrad. In: Geschlechtergeschichte der Stadt Frankfurt am Main, Ms. um 1810, fasc. 124, Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main

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