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Der
Name | Wurzeln in Hessen
| Patrizier | Pfälzer
Zweig | Amerika | Weltweit
Pfälzer Zweig
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Ankunft - Herkunft
An der Schwelle vom
17. zum 18. Jahrhundert war die Pfalz eine der Gegenden
Deutschlands, die am schwersten von Unruhen und Kriegswirren
heimgesucht waren. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war seit 1688
der Pfälzische Erbfolgekrieg über das Land hinweggefegt; französische
Truppen verwüsteten die Pfalz, im nahen Speyer wurde 1689 der
Kaiserdom eingeäschert und die Bürgerschaft vertrieben. Kaum hatte
man, nach dem Frieden von Rijswijk, 1698 mit dem Wiederaufbau
begonnen, brachte der Spanische Erbfolgekrieg 1703 mit der Schlacht
am Speyerbach neues Leid für die Bevölkerung. 1716 schließlich
entzündete der konfessionelle Zwist, der zwischen der
protestantischen Reichsstadt Speyer und dem katholischen Bistum seit
jeher bestanden hatte, den Speyerer „Bauernkrieg“; die
Auseinandersetzung blieb zwar unblutig, wirft aber ein bezeichnendes
Licht auf die religiösen Gegensätze dieser Zeit, die schon die
Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges mitverschuldet hatten und
die nun, hundert Jahre später, noch immer nicht ausgesöhnt waren.
Die Politik der
verschiedenen pfälzischen Landesherren - Kurpfalz, Hochstift
Speyer, die Grafen von Leiningen, von Löwenstein, von der Leyen, um
nur einige zu nennen - und der großen Grundbesitzer war in jenen
Tagen darauf gerichtet, ihren jeweiligen Glauben innerhalb ihrer
Territorien nach Kräften zu fördern. In Freimersheim standen das
Hochstift Speyer, das nach dem Aussterben der Familie von Weingarten
1685 den Ort als Reichslehen erhalten hatte, und die katholischen
Freiherren von Bassenheim, an die die weingartenschen Eigengüter übergegangen
waren, vor einer besonders verwickelten Situation, die das ganze 18.
Jahrhundert hindurch zu Reibereien zwischen den
Glaubensgemeinschaften führte: seit die im 16. Jahrhundert
protestantisch gewordenen Weingarten nämlich um das Jahr 1557 einen
Pfarrer ihrer Konfession eingesetzt hatten, war die Freimersheimer
Pfarrei lutherisch, obwohl das Speyerer Domkapitel nach wie vor das
Patronatsrecht ausübte und somit bis zur Säkularisation für die
Vergabe der evangelischen (!) Pfarrstelle zuständig war. Auch die
Kirche des Dorfes, deren Baulast ebenfalls bis ins frühe 19.
Jahrhundert hinein das katholische Domkapitel trug, war seit 1601
lutherisch, jedoch war den Katholiken gestattet, Chor und Sakristei
zu benutzen und mit den evangelischen Glocken zum katholischen
Gottesdienst zu rufen; allerdings beschwerte sich der Freimersheimer
Bürgermeister 1786, daß das Läuten nicht selten ausfalle, „weil
der lutherische Schullehrer als Glöckner sich keineswegs zu diesem
heiligen Werk und löblichen Gebrauch verstehen will“ (erst
1922 wurde das Simultangeläut abgeschafft).
Obgleich die beiden
letzten Angehörigen der Familie Weingarten, Johann Philipp (†1661) und Johann Christoph
(†1685), wieder zum
katholischen Glauben übergetreten waren, hatte die über hundertjährige
protestantische Herrschaft doch dazu geführt, daß sich beim
Aussterben des Geschlechts die Bewohner Freimersheims größtenteils
zum Protestantismus bekannten. Es lag also im Interesse der neuen,
katholischen Lehensträger und Gutsbesitzer, gezielt katholische
Neubürger im Ort anzusiedeln. Im Zuge der Rekatholisierungs-Bemühungen
der Freiherren von Bassenheim, die seit 1654 auch Besitzer der hessischen
Ortschaft Wernborn bei Usingen waren, kam so im Jahr 1712 die
wetterauische Familie
Hartard (mehr) nach Freimersheim. Sie pachtete in der Folgezeit das freiadelige
bassenheimsche Hofgut und errichtete dort „trotz allen von denen
Glaubenswidersagern dawider gemachten Bewegungen“ eine Kapelle,
die bis zum Bau der neuen Kirche 1901 für
den katholischen Gottesdienst genutzt und danach, bereits baufällig,
an eine Molkerei vermietet und 1913 an Privatleute
verkauft wurde.
In der Pfalz verzweigte sich die Familie
Hartard schnell in Linien
in Freimersheim, Kirrweiler, Harthausen und Rheinsheim; die
Germersheimer Linie kommt bis heute unter dem Namen Hardardt vor.

Die Hartard aus
Freimersheim
Als erste Mitglieder
der Familie erscheinen zu Beginn des 18. Jahrhunderts Nikolaus
Hartard, Hofmann der Bassenheim auf deren (1724 an das Domstift
zu Speyer verkauften) Hofgut, sowie sein Sohn Johann Hartard,
der 1716 als Hofmann eines dem Speyerer St.-Guido-Stift gehörenden
Gutes bestätigt wird. Seit 1714 war Johannes Hartard außerdem
Mitbesitzer des Hertel-Kern-Gutes, das er gemeinsam mit den
Freimersheimer Mitbürgern Hans Jakob Salm, Niklas und Franz Peter
Rummel sowie Wendel Andres für 2500 Gulden und 10 neue französische
Louisdor von den Freiherrn von Dalberg erwarb; die Kaufsumme, die in
jährlichen Raten von 500 Gulden abbezahlt werden sollte, war aber
auch im Jahr 1756 nicht entrichtet, und noch 1785 war eine Schuld
von etwa 1500 Gulden offen, die in den folgenden Jahren teilweise
abgetragen wurde.
In Freimersheim
bestanden Mitte des 18. Jahrhunderts drei Zweige der Familie: Johannes
Hartard (1718-1802), der 1757 als Mitbesitzer der dem
Deidesheimer Hospital gehörenden Güter erscheint, mit seinen Söhnen
Peter Heinrich (*1756), Franz (1760-1827, s.u.) und Peter Anton
(1767-1844); Johann Georg Hartard (*um 1720), der 1759 als
Schultheiß, d.h. als Bürgermeister von Freimersheim bezeugt
ist, mit seinem gleichnamigen Sohn; schließlich Anton Hartard
(*um 1730) mit einem Sohn Georg Anton (1773-1839).
Seit 1747 versah Johannes
Hartard das Amt des Schuldieners; etwa 40 Jahre lang
unterrichtete er die katholischen Kinder in Freimersheim. Die
Ortschronik berichtet, daß er vom damaligen Speyerer Fürstbischof
Franz Christoph von Hutten (1743-1770) eine zusätzliche
Jahresbesoldung von 75 Gulden und vier Klaftern Holz zugewiesen
bekam (das Grundgehalt bezogen sowohl der protestantische wie der
katholische Lehrer aus der Gemeindekasse); dennoch scheint der
Lehrerberuf in dieser Zeit nicht sonderlich einträglich gewesen zu
sein, denn 1757 und 1779 klagte der Schulmeister Hartard beim
Bischof über unzureichende Einkünfte und bat einmal um die
pachtweise Überlassung von zehn Morgen Ackerland, das andere Mal um
einen Zuschuß aus dem Armenstiftungsfond. 1762/63 bemühte er sich
um eine Befreiung von der Gemeindeweideabgabe und klagte, sein
„Lohn mache nur 34 Gulden jährlich aus, im Winter hätte er 7 bis
10 Schüler, im Sommer gar keinen, nebenbei müsse er deshalb noch
als Schneider sein Auskommen finden“ (Ortschronik).
Dem Schneider- und dem
Lehrerberuf, dem schon in den 1740er-Jahren Johannes Hartard
nachgegangen war, blieben die Freimersheimer Hartard übrigens lange
treu. Das Schneiderhandwerk erlernten Michael Hartard (*1819),
seine Söhne Heinrich Hartard (1862-1925) und Georg Anton
Hartard (1865-1924) sowie dessen Söhne Jakob Robert Hartard (1903-1968,
der Großvater des Autors)
und Bertram Hartard sen. (1901-1967), Domschweizer in Speyer,
nach dem Zweiten
Weltkrieg Speyerer Bürgermeister, Mitglied der Verfassungsgebenden
Landesversammlung von Rheinland-Pfalz und Abgeordneter des ersten
rheinland-pfälzischen Landtages. Lehrer waren unter anderem des
letzteren Sohn, Bertram Hartard jun. (1929-1992), wie sein
Vater Mitglied des Landtages von Rheinland-Pfalz, ferner der gebürtige
Freimersheimer Franz Hartard sen. (1760-1827, s.o.), der 1781
als Volksschullehrer nach Harthausen zog und dort bis zu seinem Tod
unterrichtete, sowie sein Enkel, der Komponist Franz Hartard jun.
(1839-1922).
 
Heinrich Hartard und Theresia Hartard (geb. Kästle)
 
Georg Anton Hartard und Katharina Hartard
(geb. Kästle, Schwester Theresias)
 
Robert Hartard und Katharina gen. Ottilie
Hartard (geb. Zimmermann)
 
Die Schwestern Robert Hartards

[wird fortgesetzt]

auf der folgenden
Seite: Zu Fuß von Speyer
nach Rom Bericht über eine Pilgerfahrt, die den jungen Robert
Hartard im Heiligen Jahr 1925 in die Ewige Stadt führte.

Der
Artikel zur Familiengeschichte als PDF-Dokument:


Literatur:
75 Jahre Männergesangverein Harthausen. Harthausen 1986 Wilfried
Birkle/Hermann Grundhöfer: Franz Hartard -
Komponist und Dirigent. In: Rhein-Pfalz-Kreis Heimatjahrbuch 20,
2003, S. 28-31 Viktor Carl: Lexikon Pfälzer Persönlichkeiten. Edenkoben 1998 Freimersheim im Wandel der Zeiten 771-1971. Ein Heimatbuch zur
1200-Jahr-Feier im Juli 1971. Freimersheim 1971 Heinz Friedel:
Kirrweiler. Die Geschichte eines pfälzischen Weindorfes. Kirrweiler
1978 Bertram Hartard: Im Speyrer Dom. Gemälde, Figuren und
Inschriften des Kaiserdoms zu Speyer. Speyer 1949 Bertram Hartard:
Mancherlei Besucher - mancherlei Begegnungen. Aus dem Tagebuch eines
Domschweizers. 1933-1945. In: Pilgerkalender 32, 1953 (1952), S.
36-38 Kurt Weitzel: Von der Csvp zur CDU: Die Gründung der CDU in
Rheinhessen 1945-1947. Frankfurt am Main 1982

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