Christian HartardArbeiten / WorksForschung / Research, Informationstudio@hartard.com




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DE

Ich bin Bildhauer, aber Bilder interessieren mich nicht besonders. Zumindest, wenn mit dem Begriff des Bildes ein Fenster gemeint sein soll, durch das man in die Welt hinaussieht. Oder, noch schlimmer: durch das der Künstler den Kopf hereinsteckt, um uns mitzuteilen, wie die Welt seiner Meinung nach beschaffen sein sollte. Eine ‚Bildhauerei‘ jenseits des Bildes erzeugt neue Paradigmen der Sinnstiftung. Die Dinge selbst rücken ins Zentrum, und auch Bezugspunkte, die über das klassische Objekt hinausgehen: der Raum, der Körper, Atmosphäre, Prozess, Konzept. In meiner eigenen Arbeit geht es vor allem um die Herstellung von Situationen, in denen das Werk – durch seine Präsenz, seine Medialität oder seine Performativität – als Gegenüber erfahrbar ist.

Minimalistische Positionen sind dafür wichtige Bezugspunkte – also die Frage: Wie viel kann ich wegnehmen, damit das Notwendige übrigbleibt? Das ist eigentlich sehr bildhauerisch gedacht. Formale Zurückhaltung ist für mich aber kein Mittel, um hermetische, absolute Objekte zu schaffen. Sie ist zuallererst eine Möglichkeit, die Gewichte zwischen dem Sichtbaren und dem Nichtsichtbaren anders zu verteilen: das Visuelle herunterzudimmen und den Blick auf andere Ebenen zu lenken.

Die Materialität der Werke ist eine dieser alternativen Kategorien ästhetischer Wahrnehmung. Ich verwende oft fragile, schutzbedürftige Stoffe wie Glas oder Keramik und ungewöhnliche, emotional aufgeladene Materialien wie Jod, Säure, Wärme, Kälte, Elektrizität oder Infraschall, deren Körperlichkeit die minimalistische Strenge aufbricht und die reine Selbstreferentialität unterläuft.

Eine zweite Möglichkeit ist für mich, mit starken Gesten zu arbeiten. Die Werke zittern, heizen sich auf, gefrieren, stehen unter Strom. Indem ich Performativität gewissermaßen in die Objekte selbst hineinnehme, erweitern sie sich um eine zeitliche Dimension. Man könnte sagen, sie führen ein Eigenleben. Sie halten kleine Ereignisse fest, Momente, die eigentlich flüchtig sind oder unbeständig, die für mich aber eine große metaphorische Kraft besitzen. Das Zittern von Fensterglas zum Beispiel, eine eiskalte Oberfläche, flüssiges Wachs: das sind im Grunde ganz banale Phänomene, die sonst am Rand unserer Wahrnehmung mitlaufen, kurz aufblitzen und sofort wieder abtauchen. Im Kunstwerk kann ich solche beiläufigen, aber elementaren Erfahrungen isolieren und ihnen Dauer und Bedeutung verleihen.

Neben der direkten körperlichen Präsenz der Arbeiten spielen historische, biographische, politische oder ästhetische Bezüge eine wichtige Rolle in meinem Werk – sozusagen als Katalysator, oder als Widerstand, an dem die künstlerische Form Fuß fassen kann. Die Projekte entfalten sich vor dem Hintergrund gründlicher Recherche und entwickeln sich immer aus einem konzeptuellen Kern heraus, der sich nicht über das Hinschauen, aber eben auch nicht über die Körperlichkeit allein erschließt.

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EN

Although trained as an artist, art historian and journalist, I am not particularly interested in images; at least if the term ‘image’ is meant to describe a window through which we look out into the world. Or, even worse, through which the artist sticks his head to tell us how the world ought to be arranged in his opinion. Sculpture beyond the image produces new paradigms of meaning: objecthood, space, process, concept. In my work, I am rather interested in situations where the artwork — through its presence, its physicality or its performativity — can be experienced as a counterpart.

Minimalism is an important point of reference — the question how much I can remove in order for only the essential to remain (which is a decisively sculptural way of thinking). This formal restraint, however, is not a means of making hermetic objects. Above all, it is a way of redistributing weight between the visible and the non-visible: dimming down the visual and directing the eye (and mind) to other levels. Materiality is one of those alternative categories of aesthetic perception. I often use fragile and delicate substances like glass or ceramics and a wide range of rather unusual, emotionally charged materials such as iodine, acid, warmth, cold, electricity and infrasound. Their sensuality subverts pure self-referentiality and counteracts the minimalism of the works.

A second strategy is to employ strong sculptural gestures: my works shake, heat up, freeze, flow. I include a temporal dimension by incorporating performativity into the objects itself. In a way, they have a life of their own. They record small events, moments which are elusive or unstable, but possess great metaphoric power. The shaking of window glass, for instance, an iced surface, liquid wax are ephemeral, everyday phenomena which otherwise take place at the periphery of our perception, briefly flashing and immediately disappearing again. In an artwork, I can isolate such incidental, yet elementary experiences and lend them permanence and meaning.

In addition to their immediate physical presence, historical, biographical or aesthetic references always play an important role in my work — as a catalyst, or as resistance against which the artistic form can establish itself. All my projects evolve around a conceptual nucleus and unfold on the background of a thorough research, thus creating complex constellations of works and significance.